Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Albert Ganzenmüller

in Westdeutschland angeklagt, aber ohne Urteil eingestellt 1905–1996

Albert Ganzenmüller war Staatssekretär und stellvertretender Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Deutsches Reich und Eisenbahnstrecken im besetzten Europa) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

Verbrechen gegen die MenschlichkeitShoah

Gesicherte Befunde

  • Ganzenmüller wurde im Mai 1942 Staatssekretär im Reichsverkehrsministerium und stellvertretender Generaldirektor der Reichsbahn.
  • Sein Schreiben vom 28. Juli 1942 an Karl Wolff bestätigte regelmäßig verkehrende Züge mit Jüdinnen und Juden von Warschau nach Treblinka und von Przemyśl nach Bełżec.
  • Ein Düsseldorfer Gericht ließ 1971 eine Anklage wegen Beihilfe zum Mord zu, doch der Prozess von 1973 wurde ausgesetzt und das Verfahren 1977 endgültig eingestellt.

Stellung in der Verantwortungskette

Ganzenmüller verband die Deportationsforderungen der SS mit den technischen Kapazitäten der Staatsbahn. Seine Verantwortung betrifft die leitende Kontrolle und die dokumentierte Koordination von Transporten; Verhaftung, Verladung, Bewachung und Tötung lagen bei anderen Teilen des Apparats.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • der Schriftwechsel vom Juli 1942, der Züge von Warschau nach Treblinka und von Przemyśl nach Bełżec dokumentiert
  • die Unterstützung der Deportationen zu den Tötungszentren der Aktion Reinhardt und nach Auschwitz-Birkenau durch die Reichsbahn
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Ganzenmüller floh 1945 aus alliierter Haft nach Argentinien und kehrte 1955 nach Westdeutschland zurück. Sein Prozess begann im April 1973, wurde aber nach einem Herzinfarkt unterbrochen; er wurde für verhandlungsunfähig erklärt, und das Verfahren endete 1977. Er starb 1996 als freier Mann.

Grenzen der Quellenlage

Schätzungen zur Zahl der während seiner Amtszeit vom Eisenbahnsystem beförderten Menschen variieren stark und überschneiden sich mit der Verantwortung von Transportplanern, Eisenbahndirektionen, Polizei und Lagerbehörden. Das erhaltene Schreiben ist ein starker Beleg für Wissen und Koordination, aber keine Grundlage, ihm jeden Deportationszug persönlich zuzurechnen.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.