Glossar der Institutionen, Aktionen und Rechtsbegriffe

Dieses Glossar erläutert Institutionen des nationalsozialistischen Terrorapparats, Tarnnamen verbrecherischer Aktionen und die Rechtsbegriffe, mit denen diese Taten später beschrieben wurden. Bezeichnungen wie „Endlösung“, „Kristallnacht“, „Euthanasie“ oder „Bandenbekämpfung“ stammen aus der Sprache der Täter. Sie werden ausschließlich als historische Quellenbegriffe wiedergegeben und kritisch eingeordnet.

Jeder Profilverweis führt in die vollständige deutsche Ausgabe und bewahrt den kanonischen Quellensatz sowie die benannten Grenzen der Beleglage.

„Aktion Reinhardt“

1942–1943

Tarnname der deutschen Mordaktion gegen die Jüdinnen und Juden des Generalgouvernements und des Bezirks Białystok 1942–1943. Odilo Globocnik leitete sie im Auftrag Heinrich Himmlers; Christian Wirth beaufsichtigte die Tötungsstätten, Franz Stangl war Kommandant von Sobibór und später Treblinka. Schätzungen gehen von etwa 1,7 bis 1,8 Millionen in Bełżec, Sobibór und Treblinka ermordeten Menschen aus, weit überwiegend polnischen Jüdinnen und Juden.

„Aktion T4“

1939–1941

Tarnname für den Massenmord an Menschen mit Behinderungen und Patientinnen und Patienten psychiatrischer Einrichtungen im Deutschen Reich. Adolf Hitler ermächtigte das von Philipp Bouhler und Karl Brandt organisierte Programm. In der zentral gesteuerten Phase wurden etwa 70.000 Menschen vergast oder durch Injektionen getötet; die NS-Propaganda verschleierte die Morde als „Euthanasie“. Personal und Methoden der „T4“ wurden später für die „Aktion Reinhardt“ eingesetzt.

Entnazifizierung

seit 1945

Der 1945 von den Alliierten begonnene Prozess, nationalsozialistische Strukturen aus dem öffentlichen Leben Deutschlands und Österreichs zu entfernen. Dazu gehörten die Auflösung der NSDAP und ihrer Gliederungen, die Überprüfung von Beschäftigten im öffentlichen Dienst sowie die Verfolgung von Tätern. Die Entnazifizierung blieb unvollständig: Viele Täter entgingen einer Strafe, kehrten in ihre Berufe zurück oder flohen vor der Justiz.

Einsatzgruppen

1939–1945

Mobile Verbände der Sicherheitspolizei und des SD unter dem Reichssicherheitshauptamt. Sie verübten ab 1939 im besetzten Polen und nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 in den besetzten Ostgebieten Massenerschießungen. Zu ihren Opfern gehörten mehr als eine Million Jüdinnen und Juden sowie Roma, Angehörige der polnischen Eliten, Psychiatriepatienten und sowjetische Kriegsgefangene.

Gauleiter

1925–1945

Leiter eines Parteigaus der NSDAP, Hitler unmittelbar unterstellt und häufig die beherrschende politische Autorität seines Gebiets. In den dem Reich völkerrechtswidrig einverleibten polnischen Gebieten betrieben Arthur Greiser im Wartheland und Albert Forster in Danzig–Westpreußen Germanisierung, Massenvertreibungen und Hinrichtungen. Beide wurden nach dem Krieg in Polen zum Tode verurteilt.

Generalgouvernement

1939–1945

Deutsche Besatzungsverwaltung, die im Oktober 1939 in den nicht förmlich annektierten Gebieten Zentral- und Südostpolens eingerichtet wurde. Hans Frank war Generalgouverneur, Friedrich-Wilhelm Krüger Höherer SS- und Polizeiführer. Das Gebiet wurde zum Schauplatz von Massenterror, Raub, Ausbeutung, Ghettos und den Tötungsstätten der „Aktion Reinhardt“.

Gestapo

1933–1945

Die Geheime Staatspolizei war die politische Polizei des NS-Staats und ab 1939 Amt IV des Reichssicherheitshauptamts unter Heinrich Müller. Sie betrieb Überwachung, Verhaftungen und Folter und verfügte Einweisungen in Konzentrationslager. Das Referat IV B 4 unter Adolf Eichmann organisierte Deportationen von Jüdinnen und Juden in die Tötungsstätten. Der Internationale Militärgerichtshof erklärte die Gestapo im vom Urteil bestimmten Umfang zur verbrecherischen Organisation.

Ghetto

1939–1944

Ein zwangsweise abgegrenzter Stadtbezirk, in dem die deutschen Besatzungsbehörden Jüdinnen und Juden unter Bedingungen extremer Enge, des Hungers und des Terrors einsperrten. Ghettos waren Teil des Holocaust: Die Eingeschlossenen wurden vor Ort ermordet oder in Tötungsstätten deportiert. Die Verwaltung der Ghettos verband Zwangsarbeit und systematischen Raub mit dem Vernichtungsprozess.

HSSPF — Höherer SS- und Polizeiführer

1937–1945

Höhere SS- und Polizeiführer waren Himmlers ranghohe Beauftragte in einem Gebiet und koordinierten dort die verschiedenen Zweige von SS und Polizei. Sie gehörten zu den zentralen Organisatoren von Massenerschießungen, Deportationen und sogenannten Befriedungsaktionen. Friedrich Jeckeln leitete Massaker in der Ukraine und in Lettland; Friedrich-Wilhelm Krüger und Wilhelm Koppe beaufsichtigten den Terrorapparat in den besetzten polnischen Gebieten.

NS-Staat („Drittes Reich“)

1933–1945

Der deutsche Staat unter der Diktatur Adolf Hitlers und der NSDAP von 1933 bis 1945. Das rassistische und antisemitische Regime entfesselte den Zweiten Weltkrieg und beging Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. „Drittes Reich“ war eine politische Selbstbezeichnung und wird hier nur als historischer Quellenbegriff verwendet.

Reichsgau Wartheland

1939–1945

Ein 1939 aus völkerrechtswidrig annektierten westpolnischen Gebieten gebildeter Verwaltungsbezirk unter Gauleiter Arthur Greiser. Er wurde zum Experimentierfeld der Germanisierung durch Vertreibung, Hinrichtungen von Angehörigen der polnischen Intelligenz und Geistlichkeit, Zwangsarbeit und Judenverfolgung. Im Gebiet lagen das Ghetto Łódź und die Tötungsstätte Kulmhof bei Chełmno nad Nerem.

Völkermord (Genozid)

Begriff geprägt 1944

Eine Tat in der Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören. Der polnisch-jüdische Jurist Raphael Lemkin prägte 1944 den Begriff genocide; die Vereinten Nationen kodifizierten ihn 1948 in der Völkermordkonvention. Der Holocaust und der Völkermord an Roma und Sinti sind zentrale Beispiele nationalsozialistischer Genozide.

IMG — Internationaler Militärgerichtshof

1945–1946

Gericht der vier alliierten Mächte, das 1945–1946 in Nürnberg gegen führende deutsche Kriegsverbrecher wegen Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhandelte. Es verhängte zwölf Todesurteile, eines davon in Abwesenheit, und erklärte unter festgelegten Voraussetzungen das Führungskorps der NSDAP, SS, SD und Gestapo zu verbrecherischen Organisationen. Das Urteil wurde zu einer Grundlage des modernen Völkerstrafrechts.

Oberstes Nationales Tribunal Polens

1946–1948

Polnisches Gericht, das von 1946 bis 1948 gegen von den Alliierten an Polen ausgelieferte deutsche Täter verhandelte. Es verurteilte unter anderem Rudolf Höss, Arthur Greiser, Albert Forster und Amon Göth zum Tode. Seine Rechtsprechung gehörte zu den frühen gerichtlichen Anwendungen des Genozidbegriffs.

NMT — Nürnberger Nachfolgeprozesse

1946–1949

Zwölf Verfahren vor US-amerikanischen Militärgerichten in Nürnberg von 1946 bis 1949. Sie untersuchten einzelne Bereiche des Verbrechensapparats, darunter Ärzte, Juristen, Ministerien, Industrielle, militärische Befehlshaber, Einsatzgruppen und die SS-Wirtschaftsverwaltung. Die Prozesse dokumentierten die Beteiligung professioneller und bürokratischer Eliten an den NS-Verbrechen.

Novemberpogrome 1938 („Kristallnacht“)

9.–10. November 1938

Staatlich organisierte Pogrome gegen Jüdinnen und Juden im Deutschen Reich und in Österreich am 9. und 10. November 1938. Mehr als tausend Synagogen wurden zerstört oder beschädigt, Tausende Geschäfte und Wohnungen verwüstet, mindestens 91 Menschen ermordet und etwa 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt. Die Bezeichnung „Kristallnacht“ verharmlost die Gewalt und wird hier nur kritisch zitiert.

NSDAP

1920–1945

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei unter Adolf Hitler. Ab 1933 war sie die einzige zugelassene Partei in Deutschland; ihre rassistische und antisemitische Ideologie wurde staatliches Programm. Martin Bormann leitete die Parteikanzlei. Der Internationale Militärgerichtshof erklärte das politische Führungskorps der NSDAP im vom Urteil bestimmten Umfang zur verbrecherischen Organisation.

Konzentrationslager und Tötungsstätte

1933–1945

Konzentrationslager dienten der Inhaftierung, Terrorisierung und Ausbeutung durch Zwangsarbeit; Hunderttausende starben durch Mord, Hunger, Krankheit und Entkräftung. Kulmhof, Bełżec, Sobibór und Treblinka wurden eigens für den unmittelbaren Massenmord, vor allem an Jüdinnen und Juden, errichtet. Auschwitz-Birkenau und Majdanek verbanden Funktionen eines Konzentrationslagers mit massenhafter Tötung. Diese institutionellen Kategorien dürfen nicht gleichgesetzt werden.

„Endlösung der Judenfrage“

1941–1945

Bürokratischer Tätereuphemismus des NS-Regimes für den Plan, die europäischen Jüdinnen und Juden zu ermorden. Reinhard Heydrich koordinierte im Januar 1942 auf der Wannsee-Konferenz die ressortübergreifende Umsetzung; Adolf Eichmanns Referat im RSHA organisierte die Deportationslogistik. Massenerschießungen, Ghettos und Tötungsstätten waren miteinander verbundene Mittel des Völkermords.

RSHA — Reichssicherheitshauptamt

1939–1945

Das 1939 gegründete Reichssicherheitshauptamt vereinte Gestapo, Kriminalpolizei und SD. Unter Reinhard Heydrich und später Ernst Kaltenbrunner war es eine zentrale Befehlsstelle des NS-Terrors und des Holocaust. Ihm unterstanden die Einsatzgruppen; zugleich gehörte Eichmanns Deportationsreferat zu seiner Struktur.

SA

1921–1945

Die Sturmabteilung war die paramilitärische Organisation der NSDAP. Ihr Straßenterror trug zum Aufstieg der Nationalsozialisten bei; nach 1933 beteiligten sich SA-Angehörige an antijüdischen Boykotten, frühen provisorischen Lagern und den Novemberpogromen 1938. Nach der Ermordung eines großen Teils ihrer Führung 1934 verlor die SA gegenüber der SS an Macht.

SD — Sicherheitsdienst des Reichsführers SS

1931–1945

Der Sicherheitsdienst war der unter Reinhard Heydrich aufgebaute Nachrichtendienst der SS und wurde 1939 in das Reichssicherheitshauptamt eingegliedert. Seine Mitarbeiter überwachten die Gesellschaft, bestimmten Zielgruppen der Verfolgung und besetzten Führungsstellen der Einsatzgruppen. Der Internationale Militärgerichtshof erklärte den SD im vom Urteil bestimmten Umfang zur verbrecherischen Organisation.

SS

1925–1945

Die Schutzstaffel unter Heinrich Himmler entwickelte sich von einer Parteigarde zu einem Machtkomplex, der Polizei, Nachrichtendienste, das Konzentrationslagersystem und bewaffnete Verbände kontrollierte. Sie war ein Hauptinstrument von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. RSHA, WVHA, Wachmannschaften der Lager und Waffen-SS gehörten zu diesem institutionellen Gefüge.

WVHA — SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt

1942–1945

Das 1942 unter Oswald Pohl gebildete Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt verwaltete das Konzentrationslagersystem, beutete die Zwangsarbeit der Häftlinge aus und verarbeitete geraubtes Eigentum der Opfer. Pohl wurde im WVHA-Prozess, einem Nürnberger Nachfolgeprozess, zum Tode verurteilt.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

1945 kodifiziert

Eine in der Charta des Internationalen Militärgerichtshofs von 1945 kodifizierte Rechtskategorie. Sie umfasste Mord, Ausrottung, Versklavung, Deportation und Verfolgung der Zivilbevölkerung aus politischen, rassistischen oder religiösen Gründen. Neben Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen den Frieden ermöglichte sie die strafrechtliche Erfassung systematischer staatlicher Gewalt, auch gegen die eigene Bevölkerung.

Intelligenzaktion

1939–1940

Sammelbezeichnung für deutsche Verfolgungs- und Mordaktionen gegen polnische politische, gesellschaftliche, religiöse und berufliche Eliten 1939–1940. Regionale Einheiten von Sicherheitspolizei und SD, SS, Polizei und Volksdeutschem Selbstschutz führten Verhaftungen und Massenmorde durch.

Unternehmen Tannenberg

1939

Eine vor dem Überfall auf Polen vorbereitete Operation des Sicherheitsapparats zur Erfassung, Fahndung, Festnahme und Ausschaltung von Menschen, die als Gegner der deutschen Besatzung eingestuft wurden. Sie bildete einen operativen Rahmen für den Einsatz der Einsatzgruppen 1939.

Sonderfahndungsbuch Polen

vor 1939 erstellt; 1939–1940 verwendet

Eine vor dem Krieg angelegte Liste von Menschen, nach denen der deutsche Sicherheitsapparat nach dem Überfall auf Polen fahnden und die er verfolgen wollte. Sie war kein Gerichtsurteil, sondern eine operative Proskriptionsliste der Besatzungsmacht.

Intelligenzaktion Pommern

1939–1940

Ein regionaler Komplex von Vernichtungsaktionen in Pommern 1939–1940. Einsatzkommando 16, SS-Verbände, Volksdeutscher Selbstschutz und Polizei führten sie unter Verantwortung der Bezirksbehörden durch.

AB-Aktion (Außerordentliche Befriedungsaktion)

1940

Außerordentliche Repressionsaktion im Generalgouvernement gegen polnische Eliten und Milieus, denen die Besatzer die Fähigkeit zur Organisation von Widerstand zuschrieben. Zivilverwaltung, Sicherheitspolizei und SD sowie weitere Polizeikräfte setzten sie um.

Volksdeutscher Selbstschutz

1939–1940

Eine aus örtlichen ethnischen Deutschen gebildete paramilitärische Formation unter SS- und Polizeiführung. Sie beteiligte sich besonders in Pommern und Großpolen an Verhaftungen, Raub und Massenmorden an der polnischen Zivilbevölkerung.

Massenerschießungsstätten von Piaśnica

1939–1940

Ein Komplex von Hinrichtungsorten in den Wäldern von Piaśnica. Er bildete einen lokalen Knotenpunkt zwischen Einsatzkommando 16, SS-Wachsturmbann Eimann, Volksdeutschem Selbstschutz, Polizei und Bezirksbehörden.

Massenerschießungsstätte Palmiry

1939–1941

Ort der Ermordung politischer Gefangener und Angehöriger polnischer Eliten aus dem Distrikt Warschau. Die Erschießungen standen in engem Zusammenhang mit der AB-Aktion und dem Gefängnisapparat des Pawiak.

„Befriedungsaktionen“ gegen polnische Dörfer

1939–1945

Wiederkehrende Besatzungspraxis, bei der Polizei, Gendarmerie, SS und militärische Einheiten Ortschaften umstellten, Bewohner selektierten und ermordeten, Gebäude niederbrannten, Eigentum raubten und Überlebende deportierten. Die Täter beriefen sich regelmäßig auf Partisanenbekämpfung oder Vergeltung.

Kollektivhaftung und Geiselsystem

1939–1945

Besatzungspraxis, Einzelne und ganze Gemeinschaften für Taten zu bestrafen, die sie nicht persönlich begangen hatten. Dazu gehörten Geiselnahmen, Vergeltungserschießungen, Deportationen und die Zerstörung von Eigentum.

„Bandenbekämpfung“ als Deckmantel für Repression gegen Zivilisten

1940–1945

Der Täterbegriff „Bandenbekämpfung“ verband tatsächliche Einsätze gegen bewaffnete Gruppen mit Kollektivrepressalien gegen Zivilisten, Dorfmassakern, Raub und Deportationen. Weil er Widerstand kriminalisierte und Gewalt gegen Nichtkombattanten verschleierte, muss er ausdrücklich als Quellensprache markiert werden.

Vertreibungen aus der Region Zamość („Aktion Zamość“)

1942–1943

Programm der Vertreibung, rassistischen Selektion, Trennung von Familien, Deportation und Ansiedlung Deutscher in der Region Zamość. SS, Polizei, Umwandererzentralstelle und Besatzungsverwaltung setzten es um.

Massaker von Wola

August 1944

Komplex von Massenverbrechen an der Zivilbevölkerung des Warschauer Stadtteils Wola in den ersten Augusttagen 1944. Kampfgruppen der SS und Polizei sowie Hilfsformationen verübten die Morde während der Niederschlagung des Warschauer Aufstands.

Verbrechen in Warschauer Krankenhäusern während des Aufstands

August–September 1944

Kategorie für dokumentierte Morde an Patientinnen, Patienten und Personal sowie gewaltsame Vertreibungen aus Krankenhäusern in mehreren Warschauer Stadtteilen. Sie darf die Unterschiede zwischen einzelnen Tatorten, Einheiten und Befehlsketten nicht verwischen.

Dulag 121 Pruszków und die Vertreibung der Warschauer Bevölkerung

August–Oktober 1944

Durchgangslager und zentraler Knotenpunkt für Vertreibung, Selektion und weitere Deportation der Einwohnerinnen und Einwohner Warschaus während und nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands.

Deutsche Sondergerichte in den besetzten polnischen Gebieten

1939–1945

Netz deutscher Sondergerichte, die Besatzungsstrafrecht und Ausnahmeverfahren zur Repression der Bevölkerung einsetzten. Sie verhängten Todesurteile für von den Besatzern kriminalisierte Handlungen, darunter Hilfe für Jüdinnen und Juden.

Ordnungspolizei und Besatzungsgendarmerie

1939–1945

Uniformierte Polizei- und Gendarmeriestrukturen, die außerhalb der Großstädte die wichtigste territoriale Gewalt der Besatzer bildeten. Sie führten Razzien durch, bewachten Transporte, verübten Dorfmassaker und Hinrichtungen und sicherten Deportationen.

Raub und Zerstörung polnischen Kulturerbes

1939–1945

Organisierte Beschlagnahme öffentlicher, kirchlicher und privater Sammlungen sowie Zerstörung von Kulturgütern. Sie diente sowohl der wirtschaftlichen Ausbeutung als auch der Germanisierungspolitik der Besatzer.

Zusammenwirken von Zivilverwaltung, SS, Polizei und Wehrmacht

1939–1945

Analytisches Modell dafür, dass Besatzungsverbrechen durch den Austausch von Entscheidungen, Personal, Transportmitteln, Informationen und Schutzleistungen zwischen Institutionen ermöglicht wurden, nicht durch eine isolierte Organisation. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten dieser Institutionen bleiben dabei sichtbar.

Verschleppung zur Zwangsarbeit aus dem Generalgouvernement

1939–1945

System aus Registrierung, Zwangsrekrutierung, Straßenrazzien, Transport und Zuweisung von Menschen zur Arbeit für das Reich. Zivile Arbeitsämter arbeiteten dabei mit Polizei und Distriktverwaltungen zusammen.

„Rassische Überprüfung“ und Entzug von Kindern

1939–1945

System zur Auswahl von Menschen, besonders Kindern, die SS-Dienststellen als zur „Eindeutschung“ geeignet einstuften. Es umfasste die Trennung von den Familien, die Änderung der Identität und die Unterbringung in deutschen Einrichtungen oder Familien. „Rassische Überprüfung“ und „Eindeutschung“ sind Täterbegriffe.

Regionale Gestapo-Dienststellen (Stapostelle / Stapoleitstelle)

1939–1945

Regionale Dienststellen der Geheimen Staatspolizei, die Überwachung, Verhaftungen, Ermittlungen und Deportationen betrieben und Gefangene zur Hinrichtung oder in Lager überwiesen. Sie verbanden zentrale Weisungen des RSHA mit lokalen Repressionsapparaten; Rang und Zuständigkeit von Stapostelle und Stapoleitstelle waren nicht identisch.

Polizeistandgericht

1941–1944

Organ der Sicherheitspolizei, das in beschleunigten Verfahren Urteile gegen Menschen fällte, die als Feinde der Besatzungsmacht eingestuft wurden. Sitzungen in Block 11 von Auschwitz endeten häufig mit der sofortigen Hinrichtung.

Politische Abteilung im KZ Auschwitz

1940–1945

Die Lagergestapo war für Registrierung, Ermittlungen, Verhöre, Bekämpfung des Widerstands und Beteiligung an Hinrichtungen zuständig. Sie gehörte formal zur Sicherheitspolizei und arbeitete eng mit der Lagerkommandantur zusammen.

Sonderkommando Lange

1939–1941

Sondereinheit der Sicherheitspolizei unter Herbert Lange, die Patientinnen und Patienten psychiatrischer Einrichtungen im Wartheland ermordete. Personal und Erfahrungen der Einheit bildeten später einen Kern des Tötungsapparats in Kulmhof.

Polizeigefängnis Radogoszcz

1939–1945

Deutsches Gefängnis im besetzten Łódź, geprägt von systematischer Gewalt, Folter und Todesfällen in Haft. Bei seiner Auflösung im Januar 1945 massakrierte das Personal Gefangene und setzte das Gebäude in Brand.

„Werterfassung“ im Warschauer Ghetto

1942–1943

Apparat zur Erfassung, Sortierung und Weiterleitung des Eigentums deportierter und ermordeter Bewohnerinnen und Bewohner des Warschauer Ghettos. Der Täterbegriff „Werterfassung“ verschleierte einen wirtschaftlichen und logistischen Bestandteil der Ghettozerstörung.

Hauptverwaltung der Bibliotheken im Generalgouvernement

1940–1945

Besatzungsbehörde, die beschlagnahmte polnische und jüdische Buchbestände zentralisierte und über ihre Auswahl, Verlagerung und Nutzung durch deutsche Institutionen entschied.

Sonderstrafrecht für Polen und Juden

1941–1945

Eigenständige, extrem repressive Strafrechtsordnung in den dem Reich einverleibten polnischen Gebieten. Sie entzog Polen und Juden die Gleichheit vor dem Gesetz und weitete die Anwendung der Todesstrafe erheblich aus.

Bydgoszcz — militärische und polizeiliche Phasen des Terrors

September–November 1939

Lokaler Fall, in dem aufeinanderfolgende Strukturen von Wehrmacht, Einsatzgruppen, Gestapo und Selbstschutz im Herbst 1939 ein verbundenes, institutionell jedoch gegliedertes System von Verhaftungen, Selektionen und Hinrichtungen bildeten. Die Besatzer bezeichneten Bydgoszcz als Bromberg.

Dienststelle der Sicherheitspolizei in Stanisławów

1941–1944

Regionale Dienststelle der Sicherheitspolizei im Distrikt Galizien, beteiligt an Massenerschießungen, Ghettoisierung, Deportationen und der Vernichtung jüdischer Gemeinden. Stanisławów ist der damalige polnische Name; die Stadt heißt heute Iwano-Frankiwsk und liegt in der Ukraine.

Verwaltungskette des Ghettos Łódź

1939–1944

Das Zusammenwirken von Regierungsbezirk, Stadtverwaltung, Ghettoverwaltung und Gestapo: von Errichtung und Abriegelung des Ghettos bis zu Ausbeutung, Raub und Deportationen nach Kulmhof. Der Begriff bezeichnet eine Kette unterschiedlicher Zuständigkeiten, nicht eine einzige Behörde.

Wiederinbetriebnahme der Tötungsstätte Kulmhof

März–Juli 1944

Wiederaufbau der Tötungsinfrastruktur durch das Sonderkommando Bothmann 1944 und erneute Deportation von Bewohnerinnen und Bewohnern des Ghettos Łódź, die in Gaswagen ermordet wurden.

Sipo und SD im Bezirk Białystok

1941–1943

Regionaler Apparat von Sicherheitspolizei und SD, in dem die KdS-Leitung, die Gestapo und die Judenreferate Polizeiverwaltung mit Repression gegen Zivilisten, Ghettoisierung und Deportationen verbanden. Der Begriff setzt eine übergeordnete Funktion nicht mit der persönlichen Ausführung aller Verbrechen unterstellter Formationen gleich.

Pawiak: Gefängnis, Vernehmung und Terror

1939–1944

Gefängnis und Vernehmungsort, der dem deutschen Polizeiapparat in Warschau unterstellt war. Er verband Verhaftungen, Gewalt gegen Gefangene, Selektion und Hinrichtungen; ein Personenprofil beschreibt jeweils nur die dokumentierte Beteiligung der betreffenden Person.

Bydgoszcz: Parteiverwaltung und repressive Bekanntmachung

1939–1940

Lokale Ebene, auf der Partei- und Stadtverwaltung Repression kommunizierten und legitimierten. Der Begriff hilft, Unterschrift und Verwaltungsfunktion von der Führung jeder ausführenden Formation zu unterscheiden.

Koordination von Sipo und Ghetto Łódź

1940–1942

Schnittstelle von Gestapo, Besatzungsverwaltung und Ghetto Litzmannstadt, an der polizeiliche Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung abgestimmt wurden. Teilnahme an einer Besprechung oder ein Amt in einer Dienststelle gilt nicht als Beleg für die selbständige Erteilung aller Deportationsentscheidungen.

Sipo-/SD-Schule in Rabka und Dienststelle Nowy Sącz

1940–1944

Regionale Glieder des Sicherheitsapparats im Distrikt Krakau: eine Außendienststelle, ein Gefängnis und eine Schule zur Ausbildung von Polizeikräften. Der Begriff zeigt den Zusammenhang von Ausbildung, Felddienst und dokumentierten lokalen Verbrechen, ohne jeder Person Taten der gesamten Institution zuzuschreiben.

System der Ausbildung und Zuweisung von Wachmännern in Trawniki

1941–1944

Das SS-Ausbildungslager Trawniki bildete Hilfsformationen aus und wies sie zum Dienst in Ghettos, Arbeitslagern und Polizeieinsätzen zu. Die Verantwortung des Kommandanten betrifft die Führung dieses Glieds und ersetzt nicht die Individualisierung der Täter einzelner Handlungen.

Bełżec und Sobibór: Kommando und Tötungstechnik

1942–1943

Eine Kette der „Aktion Reinhardt“, in der Lagerkommando, Personal und die technische Inbetriebnahme von Vergasungsanlagen unterschiedliche Rollen waren. Der Begriff reduziert die Tötungsstätten nicht auf eine Person und schreibt keinem Personalmitglied alle Morde zu.

Lublin: Erfassung, Transfer und finanzielle Verarbeitung des Eigentums der Opfer

1942–1945

Die Erfassung und Weitergabe von den Opfern abgenommenen Wertsachen verband die Verwaltung der „Aktion Reinhardt“, den Transport der Werte und die Reichsbank. Ein Profil eines Verwaltungs- oder Bankmitarbeiters beschreibt eine konkrete Stufe von Aneignung und Umwandlung des Eigentums, nicht die unmittelbare Ausführung aller Morde, aus denen es stammte.

Warschau–Poniatowa: Unternehmen und Zwangsarbeit

1941–1943

Die Verlegung jüdischer Arbeitskräfte zwischen dem Warschauer Ghetto und den Betrieben in Poniatowa zeigt das Zusammenwirken von Privatunternehmen, Arbeitsverwaltung und Repressionsapparat. Daraus folgt nicht automatisch die Verantwortung eines Unternehmers für jede Lagerentscheidung.

Staatsanwaltschaftliche Kette der nationalsozialistischen Justiz

1939–1945

Die Staatsanwaltschaft beim Volksgerichtshof und im Reichsjustizministerium wirkte daran mit, politische Repression in Anklagen, Strafanträge und Hinrichtungen zu überführen. Der Begriff unterscheidet Anklagefunktion, den Inhalt dokumentierter Handlungen und den Umfang konkreter gerichtlicher Entscheidungen.

Regionale Befehlskette von Sipo und SD

1939–1945

Ein Netz regionaler Kommandeure, Gestapo-Außenstellen und Abteilungen der Sicherheitspolizei setzte die Prioritäten des RSHA und der SS- und Polizeiführer in Verhaftungen, Standgerichtsverfahren, Deportationen und Hinrichtungen um. Der Knoten verbindet übergeordnete Ebenen, schreibt jedoch keinem Kommandeur sämtliche Handlungen unterstellter Dienststellen zu.

Kołomyja: Sipo-Außenstelle, Hinrichtungen und Deportationen

1941–1943

Die Außenstelle von Sipo und SD in Kołomyja verband das regionale Kommando des KdS Lemberg mit Massenhinrichtungen, Selektionen und Deportationen nach Bełżec. Das Profil des Außenstellenleiters beschreibt Befehl und Aufsicht bei konkreten Aktionen, nicht automatisch jede Tat mobiler Gruppen.

Łuków–Radzyń: Gestapo, Ghetto und Deportationspolizei

1940–1943

Die Verwaltung jüdischer Angelegenheiten in der Gestapo-Außenstelle, Weisungen an den Judenrat, Requisitionen und Vorbereitungen zur Deportation trafen in Łuków mit Einheiten der Ordnungspolizei zusammen. Der Knoten trennt die Rolle eines Gestapo-Funktionärs von der Führung des Polizei-Bataillons 101 und der aus Lublin entsandten Formationen.

Wiener Bürokratie von Selektion und Deportation

1939–1943

Die Zentralstelle für jüdische Auswanderung und die Sammellager verwandelten Registrierung, Zwang, Transportselektion und Vermögensentzug in einen regelmäßigen Deportationsmechanismus. Der Knoten unterscheidet Anton Brunner, bezeichnet als „Brunner II“, von Alois Brunner.

Reserve-Polizei-Bataillon 101: Führung und Kompanien

1942–1943

Der Bataillonskommandeur und die Kommandeure seiner drei Kompanien bildeten getrennte Ebenen bei Vorbereitung und Ausführung von Massenhinrichtungen und Ghettoauflösungen im Distrikt Lublin. Die wirklichen Namen dieser Kommandeure sind unabhängig bestätigt und von den Pseudonymen zu unterscheiden, die Christopher R. Browning für andere Polizisten verwendete.

Ordnungspolizei: Befehl, Meldung und Massenhinrichtung

1941–1942

Befehle von Kommandeuren, Aufträge an Bataillone und Kompanien, Lagerbewachung, Massenerschießungen und spätere Meldungen bildeten eine polizeiliche Ausführungskette. Die Profile bewahren die Unterschiede zwischen der Weitergabe eines Befehls, der Führung einer Einheit, der Unterzeichnung einer Meldung, einem unmittelbaren Schuss und dem vom Gericht bewerteten Beweisumfang.

Stutthof: Kommandantur, Zwangsarbeit, Vergasung und Evakuierung

1942–1945

Die Kommandantur des Konzentrationslagers Stutthof verband die Leitung des Lagers und seines Außenlagernetzes mit Arbeitsausbeutung, Selektionen, Tötung in der Gaskammer und Vorbereitung der Evakuierung. Der Umfang der Verurteilung des Kommandanten wird nicht mit dem gesamten Katalog der Verbrechen des Personals und während der Todesmärsche gleichgesetzt.

Majdanek und Auschwitz: Kommandantur, Krematorien und Leichenbeseitigung

1942–1944

Lagerkommandantur, Arbeitsverwaltung, Leitung eines Krematoriums und Aufsicht über Gefangenenkommandos zur Leichenbeseitigung waren getrennte Glieder des Lagerapparats. Der Knoten schreibt weder dem Krematoriumsleiter die Entscheidung zum Beginn jeder Hinrichtung noch einem Kommandanten jede Tat des unterstellten Personals zu.

Sondergerichte, Feldgericht und staatsanwaltschaftliche Kette der Todesstrafe

1939–1945

Sonder- und Feldgerichte sowie Besatzungsstaatsanwaltschaften setzten rassistisches und repressives Recht in Anklagen, Anträge auf Todesstrafe, Urteile und Hinrichtungen um. Das Profil jedes Juristen stützt sich auf konkrete Fälle und Entscheidungen, nicht auf die gesamte Tätigkeit eines Gerichts oder einer Staatsanwaltschaft.

RKFDV und RuSHA: Selektion, Vertreibung und Germanisierung von Kindern

1940–1945

Zentrale Anweisungen des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums und rassische Begutachtungen des RuSHA verbanden Vertreibung, Klassifizierung der Bevölkerung, Wegnahme von Kindern und ihre Zuführung zur Germanisierung. Die Verantwortung in den Profilen ergibt sich aus eigenen Anweisungen der Personen und den Feststellungen des RuSHA-Prozesses, nicht allein aus ihrem SS-Rang.

Flick-Konzern: Zwangsarbeit, Ausbeutung und Finanzierung der SS

1939–1945

Eigentümer- und Managemententscheidungen im Schwerindustriekonzern verbanden das Bemühen um Zuweisung von Zwangsarbeitern, die Ausbeutung von Betrieben in besetzten Gebieten und regelmäßige Zahlungen an die SS. Der Knoten wahrt die Grenzen des Urteils und überträgt dem Eigentümer nicht jede Handlung jedes Betriebsleiters.

OKW: Herstellung und Weitergabe verbrecherischer Befehle

1939–1945

Die operativen, allgemeinen und rechtlichen Abteilungen des Oberkommandos der Wehrmacht überführten die politischen Ziele des Regimes in Weisungen zur Kriegsgerichtsbarkeit, zu Kriegsgefangenen und Kommandos, zur Übergabe von Gefangenen an die Sicherheitspolizei und zur Zwangsarbeit. Der Knoten unterscheidet bei einzelnen Befehlen Urheberschaft, Prüfung, Verteilung und Ausführung.

Rückwärtige Heeresgebiete: Wehrmacht, Polizei und Verwaltung des Terrors

1941–1944

Die Kommandos der rückwärtigen Heeresgebiete koordinierten die Sicherung des Hinterlandes, die Militärverwaltung und die Zusammenarbeit mit SS und Sicherheitspolizei. Befehle gegen Kriegsgefangene, Juden und vermeintliche Partisanen verbanden militärische Führung mit Massenhinrichtungen, Deportationen und Zwangsarbeit; das Profil eines Kommandeurs übernimmt jedoch nicht automatisch jedes Verbrechen unterstellter Einheiten.

Pripjet 1941: SS-Kavallerie und Eskalation der Massenhinrichtungen

Juli–August 1941

Einheiten der SS-Kavallerie-Brigade führten in Polesien Himmlers Befehle aus, die sich während der Operation zum systematischen Mord an der jüdischen Bevölkerung entwickelten. Meldungen, Feldbefehle und ein Nachkriegsurteil erlauben es, die zentrale Ebene, die Führung der Abteilung und die Ausführung der Erschießungen zu unterscheiden.

Balkan: Geiseln, Vergeltung und Besatzungsverwaltung

1941–1944

Im besetzten Jugoslawien und Griechenland setzten militärische Führung, Zivilverwaltung und Polizei Geiselerschießungen, Vergeltungsmaßnahmen, Internierung und Deportation ein. Der Knoten zeigt die getrennten Befugnisse des Oberbefehlshabers im Südosten und des Verwaltungschefs in Serbien, ohne sämtliche Entscheidungen beider gleichzusetzen.

Białystok: KdS, Gestapo und regionale Repressionskette

1941–1944

Der Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD, die Gestapoleitung, das Judenreferat und die Abteilungen zur Bekämpfung des Widerstands bildeten getrennte Glieder des regionalen Apparats. Prozessakten erlauben die Zuordnung konkreter Entscheidungen, Deportationen und Hinrichtungen, statt eine Person mit allen Verbrechen des Bezirks zu belasten.

Regionale Sipo und SD: Abfolge von Kommandos, Dienststellen und Stäben

1939–1945

Die wechselnde Besetzung der Kommandos in Łódź, Kraków, Lublin, Riwne und Norwegen zeigt die Mobilität des Personals der Sicherheitspolizei und die Übertragung von Praktiken der Vernehmung, Hinrichtung, des Geiselterrors und der Liquidierung von Gefangenen. Jedes Profil wahrt seinen eigenen zeitlichen und territorialen Umfang.

Distrikt Lublin: Deportationsstab und Arbeitslager

1942–1943

Die Stäbe der SS- und Polizeiführer koordinierten Transporte, Selektionen und Umsiedlungen mit den Vollstreckern vor Ort und einem Netz von Arbeitslagern. Der Knoten trennt die Organisation der Deportation, die Lagerführung und unmittelbare Gewalt und begrenzt das Profil von Helmut Ortwin Pohl auf die dokumentierte erste Hälfte des Jahres 1942.

Stutthof und Neuengamme: Kommandantur, Außenlager und Hinrichtungen

1939–1945

Der Wechsel des Kommandanten und der Ausbau des Außenlagernetzes verbanden Lagerdisziplin, Ausbeutung der Gefangenenarbeit und die Weitergabe von Hinrichtungsbefehlen. Das Profil Max Paulys umfasst seine eigene Kommandoebene und die Feststellungen des Prozesses, nicht den gesamten Katalog der Taten jedes Wachmanns.

Lublin–Majdanek–Budzyn: Kommandantur und Lagerterror

1941–1944

Ein Arbeitslagerkommandant und ein Schutzhaftlagerführer nahmen unterschiedliche Stellen im System von Zwangsarbeit, Selektion, Strafe und Hinrichtung ein. Die Profile stützen sich auf Feststellungen zu ihren eigenen Funktionen und Taten, ohne ihnen die gesamte Verantwortung für das KL Lublin und alle seine Außenstellen zu übertragen.

Einsatzkommando Tilsit: grenznahe Kette der Massenhinrichtungen

Juni–September 1941

Die Gestapostelle in Tilsit und ein aus ihrem Personal gebildetes Kommando führten Massenhinrichtungen an der deutsch-litauischen Grenze und im Gebiet Suwałki durch. Der Ulmer Prozess rekonstruierte den Befehl, die Zusammensetzung des Kommandos und die Rolle seines Führers, ersetzt jedoch nicht die Feststellungen zu jeder einzelnen Hinrichtung.

Deportationstransport: Fahrplan, Begleitung und Bericht

Dezember 1941

Eine Deportation per Bahn erforderte Erfassung, Zugzusammenstellung, Polizeibegleitung, Befehle zum Gewalteinsatz und die Übernahme des Transports. Paul Salitters Bericht dokumentiert die Täterperspektive und muss kritisch zusammen mit Archiven der Opfer und institutioneller Dokumentation gelesen werden.

ERR und Görings Sammlung: Auswahl, Tausch und Transport des Raubguts

1940–1944

Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg, die Dienststelle Westen, die Möbel-Aktion und ein Netz von Kunstmarktakteuren verwandelten die Beschlagnahme jüdischer Sammlungen und Wohnungseinrichtungen in Erfassung, Auswahl, Tausch und Transport. Der Knoten trennt die Leitung der Institution, die Auswahl von Werken, den Handel und die Ausbeutung von Arbeitskräften bei der Sortierung.

Banken, WVHA und SS-Unternehmen

1939–1945

Bankkredite, die Führung von SS-Unternehmen, die Versorgung der Lager und Gefangenenarbeit verbanden den Finanzsektor mit dem Wirtschaftsapparat der SS. Die Urteile unterscheiden Handlungen, die einzelnen Angeklagten zugerechnet wurden, von verworfenen Vorwürfen, darunter der nicht bewiesenen Zuordnung bestimmter Beute aus der Aktion Reinhardt.

Industrie und zentrale Zuweisung von Zwangsarbeit

1940–1945

Leiter von Konzernen und Branchenorganisationen bemühten sich um die Zuweisung von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen, während SS- und Staatsunternehmen von deren Arbeit profitierten. Die Profile unterscheiden Managemententscheidungen von den Handlungen einzelner Betriebsleiter und von den zentralen Befugnissen des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz.

Umsiedlung und Vermögen: RKFDV und Deutsche Umsiedlungs-Treuhand

1939–1945

Der Umsiedlungsapparat verband Vertreibung mit rassischer Begutachtung, der Bindung von Arbeitskräften und der treuhänderischen Übernahme von Vermögen. Gründung und Tätigkeit der Deutschen Umsiedlungs-Treuhand zeigen eine wirtschaftliche Stufe der Germanisierungspolitik, die von der Durchführung der Vertreibung selbst zu unterscheiden ist.

UWZ Poznań: Vertreibung, Selektion und Germanisierung

1939–1943

Die Umwandererzentralstelle in Poznań verband die Erfassung der Bevölkerung, nationale Selektion, die Vertreibung von Polen und Juden sowie die Vorbereitung von Raum für deutsche Ansiedlung. Der Knoten zeigt die regionale Dienststelle als Vermittler zwischen der Bevölkerungspolitik der SS und Listen, Transporten sowie Entscheidungen über konkrete Gruppen; er schreibt ihrem Leiter nicht die gesamte Besatzungspolitik des Warthelands zu.

Sonderkommando Künsberg: Archive, Kultur und Wirtschaftsspionage

1939–1945

Das Sonderkommando Künsberg arbeitete an der Schnittstelle von Auswärtigem Amt, Wehrmacht und Nachrichtendienst: Es suchte und ‚sicherte‘, wie es in der Sprache der Täter hieß, Archive, Dokumentation, Buchbestände und Kulturgüter im besetzten Europa und transportierte sie ab. Das Profil des Kommandeurs unterscheidet die schriftliche Bezeichnung von Zielkategorien von der Ausführung durch die Abteilungen; jedes Objekt erfordert weiterhin eine gesonderte Provenienzanalyse.

Reichsausschuss: administrativer Ablauf der Kindertötung

1939–1945

Der Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden organisierte Meldungen über Kinder, den Umlauf der Formulare, die Gutachten und die Einweisung in besondere Abteilungen. Der Knoten rückt die Kanzleiarbeit als Voraussetzung für das Funktionieren des Programms in den Vordergrund, setzt administrative Koordination aber weder mit der Unterschrift eines Arztes noch mit der Ausführung einer Tötung in einer Anstalt gleich.

T4 und Aktion 14f13: medizinische Leitung und Selektion

1940–1945

Das T4-Programm verband die zentrale Bewertung von Meldebögen und Entscheidungen der medizinischen Leitung mit reisenden Kommissionen; die Aktion 14f13 weitete die Selektion auf Häftlinge von Konzentrationslagern aus. Die gemeinsame Betrachtung Nitsches und Menneckes trennt Konzeption und Aufrechterhaltung der Tötung durch Medikamente und Hunger von der Arbeit eines Gutachters, der Menschen auswählte; sie erzeugt keine persönliche Gesamtzahl der Opfer beider Programme.

Westliche Militärverwaltungen: Geiseln, Arbeit und Vergeltung

1940–1944

Die deutschen Militärverwaltungen in den Niederlanden, Belgien und Nordfrankreich nutzten Geiselerlasse, Arbeitspflicht, Deportation und kollektive Vergeltung. Die beiden Profile zeigen verschiedene Ebenen: eine normsetzende Besatzungsverwaltung und einen Repressalienbefehl gegen einen Ort; sie übertragen den Befehlshabern nicht jede Handlung der Wehrmacht, Polizei oder von Sipo und SD vor Ort.

IG Auschwitz: Investition, Bergwerke und Häftlingsarbeit

1941–1945

Das Vorhaben IG Auschwitz verband Entscheidungen des Konzernvorstands, Verhandlungen mit der SS, den Bau der Buna-Werke in Monowitz, Bergwerke und die Beschaffung von Häftlingsarbeit. Der Knoten benennt Bütefischs individuelle Gespräche und Besprechungen sowie die Grenze seiner Verurteilung wegen Sklavenarbeit; er schreibt ihm weder jede Handlung der IG-Farben-Werke noch Anklagepunkte zu, die mit einem Freispruch endeten.

Einsatzgruppe D: Führung, Berichterstattung und militärische Verbindung

1941–1942

Der Stab der Einsatzgruppe D verwandelte Massenhinrichtungen in Zahlen, die in Berichten an das RSHA übermittelt wurden, verbreitete Befehle und unterhielt eine Arbeitsverbindung zur 11. Armee. Das Profil des faktischen Stellvertreters zeigt die Berichterstattung als Werkzeug zur Steuerung des Verbrechens; Unterschrift und Informationsweitergabe sind kein automatischer Beweis für die Anwesenheit bei jeder Erschießung.

Sajmište–Jajinci: Lagerkommando und Logistik des Gaswagens

1941–1942

Im Lager Sajmište bildeten die Kommandantur, die Fahrer des Gaswagens, die Eskorte und der Begräbnisort in Jajinci eine wiederkehrende Tötungskette. Andorfers Rolle umfasste die regelmäßige Überwachung der Route und seine Funktion als Kommandant; das Nachkriegsurteil betraf jedoch diesen Komplex und nicht automatisch die späteren Tätigkeiten des Sonderkommandos Andorfer in Italien.

Warschau: SSPF, Judenreferat und Ausführung des Terrors vor Ort

1941–1943

Die Deportationen und die Auflösung des Warschauer Ghettos verbanden das regionale Kommando des SSPF, Angehörige des Judenreferats sowie Patrouillen, Hinrichtungen und Kontrollen vor Ort. Der Knoten führt Sammern-Frankenegg, Blösche und Klaustermeyer zusammen, um Befehlsweitergabe und Leitung einer Aktion von den Taten der Ausführenden zu unterscheiden; ein Foto, ein Amt oder bloße Anwesenheit erweitern nicht den Umfang der erwiesenen Taten.

Lemberg: Judenreferat des KdS und Auflösungsaktionen

1941–1943

Das Judenreferat des KdS Lemberg verband die spezialisierte antijüdische Polizeiarbeit mit Aktionen in der Stadt und in den Ghettos des Distrikts. Engels’ Profil zeigt die Leitung einer öffentlichen Hinrichtung und einer zur Auflösung des Ghettos in Bóbrka entsandten Einheit; die dienstliche Unterstellung bedeutet weder, dass er jede Tötung persönlich ausführte, noch Verantwortung für die gesamte Opferbilanz des Distrikts Galizien.

Auswärtiges Amt: administrative Genehmigung von Deportationen

1938–1942

Das Auswärtige Amt war am Umlauf von Noten, Abstimmungen und Zustimmungen beteiligt, die für die Deportation von Juden aus dem besetzten Europa benötigt wurden. Die Note vom März 1942 individualisiert Woermanns Abzeichnung, mit der das Amt keine Einwände gegen die Deportation von 6.000 Menschen aus Frankreich erhob; sie macht ihn weder zum Urheber der gesamten Ministeriumspolitik noch beweist sie Kenntnis jeder späteren Stufe der Vernichtung.

Julags und Zwangsarbeitslager: lokales Kommando, Arbeit und Auflösung

1942–1944

Die Zwangsarbeitslager für Juden in Kraków, Tarnów, Rozwadów und Przemyśl verbanden die Ausbeutung von Arbeitskraft, alltäglichen Terror, Hinrichtungen und abschließende Deportationen. Die drei Kommandantenprofile erlauben den Vergleich eigener Tötungen, erteilter Befehle und der Beihilfe bei einer Auflösung; dabei bleibt der Umfang der konkreten Urteile gewahrt, statt einer Person alle Verbrechen eines Lagers oder einer Stadt zuzuweisen.

VoMi: Kinderverschleppung, Germanisierung und Umsiedlung

1942–1943

Die Volksdeutsche Mittelstelle überführte die SS-Bevölkerungspolitik in Listen von Kindern, die von ihren Eltern getrennt worden waren, in Siedlungsprojekte, Vertreibungen und die Kontrolle der Fortpflanzung von Zwangsarbeiterinnen. Brückners Dokumente zeigen Unterschrift, Paraphe und Weiterleitung eines Plans als persönliche Glieder der Verwaltungskette; das Profil bleibt auf die vom Tribunal festgestellten Mechanismen begrenzt und erstreckt sich nicht auf alle Tätigkeiten der VoMi.

Regionale SS und Polizei: Deportation, Entwaffnung und Hinrichtung

1942–1944

Im besetzten Frankreich, in Dänemark und in Rom nutzten regionale Führungen von Gestapo, Sipo und SD sowie der HSSPF unterschiedliche Instrumente: Folter und Deportation, Auflösung der nationalen Polizei, Erpressung von Eigentum und Hinrichtung von Geiseln. Der Vergleich von Barbie, Pancke und Kappler trennt Planung, Genehmigung, Listenerstellung, Kommando und Ausführung; er verschmilzt verschiedene Rechtsräume nicht zu einer gemeinsamen Tat.

Volksgerichtshof: kollegiale Todesurteile und Hürden der Aufarbeitung

1942–1945; Prozesse 1967–1969

Der Erste Senat des Volksgerichtshofs nutzte das formelle Urteil als Instrument politischer Repression, während die Unterschrift eines beisitzenden Richters seine Mitwirkung an der kollegialen Entscheidung bezeichnete. Rehses Fall zeigt zugleich die Nachkriegsabfolge von Verurteilung, Aufhebung und Freispruch; 231 unterzeichnete Urteile dürfen weder als 231 allein getroffene Entscheidungen noch als Umfang einer rechtskräftigen Verurteilung beschrieben werden.

Wehrmacht und Waffen-SS: Vergeltung, Zerstörung von Orten und Massaker

1943–1944

Auf Kreta und in Italien überführten Befehle der Wehrmacht und Operationen einer Waffen-SS-Abteilung die Sprache der Vergeltung und Partisanenbekämpfung in die Zerstörung von Orten und die Tötung von Zivilisten. Die Profile Müllers und Reders unterscheiden den schriftlichen Befehl eines territorialen Befehlshabers von der Führung einer mobilen Einheit; jedes Profil bewahrt nur die durch ein Dokument oder Urteil individualisierten Episoden.