Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Max Montua
Max Montua war Kommandeur der Ordnungspolizei in Warschau, anschließend Kommandeur des Polizei-Regiments Mitte. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Warschau · Białystok · Mogilew · rückwärtiges Gebiet der Heeresgruppe Mitte) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Von März 1940 bis Juni 1941 war er im besetzten Warschau Kommandeur der Ordnungspolizei und Kommandeur des Polizei-Regiments Warschau; von Sommer 1941 bis Januar 1942 führte er das Polizei-Regiment Mitte im rückwärtigen Gebiet der Ostfront.
- Am 11. Juli 1941 unterzeichnete er einen vertraulichen Befehl an die Polizei-Bataillone 307, 316 und 322, der Erich von dem Bach-Zelewskis Anordnung weitergab, jüdische Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren, die als Plünderer galten, standrechtlich zu erschießen.
- Im selben Schreiben regelte er Logistik und Geheimhaltung der Hinrichtungen: Tatorte außerhalb von Siedlungen und Straßen, Einebnung der Gräber, Verbot von Fotografien und Zuschauern, Geheimhaltung der Orte sowie tägliche Meldungen. Außerdem wies er die Kommandeure an, nach den Hinrichtungen durch Zusammenkünfte und Indoktrination auf die Polizisten einzuwirken.
- Vom 24. bis 26. September 1941 nahm er an einer Konferenz zur Partisanenbekämpfung in Mogilew teil und trat dort als Referent auf. Das Programm umfasste Vorführoperationen, bei denen Jüdinnen und Juden getötet wurden; die Quellen bestätigen Montuas Teilnahme, erlauben aber nicht, ihn als persönlichen Ausführenden jeder Tötung anzusehen.
Stellung in der Verantwortungskette
Montua zeigt die Ebene eines Regimentskommandeurs, auf der der Befehl eines höheren SS- und Polizeiführers in Anweisungen zur Hinrichtung, Berichterstattung, Verdeckung von Gräbern und Steuerung der Reaktionen der Ausführenden umgesetzt wurde. Der Befehl vom 11. Juli übermittelte Bach-Zelewskis Anordnung aus Himmlers Hierarchie; dies beseitigt nicht Montuas handlungswirksame Rolle bei der Präzisierung und Umsetzung des Verfahrens.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Führung der Ordnungspolizei und des Polizei-Regiments Warschau von März 1940 bis Juni 1941
- Übernahme des Kommandos über das Polizei-Regiment Mitte im Sommer 1941
- Unterzeichnung des vertraulichen Hinrichtungsbefehls und der Anweisungen zur Spurenverdeckung am 11. Juli 1941
- Teilnahme an der Konferenz zur Partisanenbekämpfung in Mogilew vom 24. bis 26. September 1941
- Suizid in Dahme im April 1945
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Er stand nach dem Krieg nicht vor Gericht. Am 20. April 1945 beging er in Dahme noch vor dem Ende des Krieges in Europa Suizid.
Grenzen der Quellenlage
Der Befehl vom 11. Juli 1941 gab die Anordnung eines höheren Befehlshabers weiter; das Profil unterscheidet deshalb zwischen der Quelle der Direktive und den von Montua unterzeichneten operativen Anweisungen. Die Teilnahme an der Konferenz in Mogilew belegt nicht, dass er sämtliche Tötungen während der Vorführungen und späteren Aktionen des Polizei-Regiments Mitte persönlich angeordnet oder ausgeführt hat.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.