Chronologie von NS-Herrschaft, Besatzungsverbrechen und Nachkriegsprozessen

Die Chronologie verfolgt den Weg vom Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung über rechtliche Ausgrenzung, Terror, Angriffskrieg und Völkermord bis zu ausgewählten Nachkriegsprozessen. Sie ist nicht vollständig. Die Einträge wurden danach ausgewählt, wie gut sie das Zusammenwirken von Entscheidungen, Institutionen, Logistik und unmittelbarer Gewalt erklären.

Jeder Profilverweis führt in die vollständige deutsche Ausgabe und bewahrt den kanonischen Quellensatz sowie die benannten Grenzen der Beleglage.

Vom Aufstieg des Nationalsozialismus bis zum Zusammenbruch des Regimes

Zentrale Entwicklungen der NS-Herrschaft, der deutschen Aggression, Besatzung, Verfolgung und des Massenmords.

1919–1920

Anfänge der NSDAP

Im Januar 1919 entstand in München die Deutsche Arbeiterpartei; Adolf Hitler trat ihr im selben Jahr bei. Im Februar 1920 benannte sie sich in NSDAP um und verkündete ein rassistisches, extrem nationalistisches und antisemitisches Programm. 1921 wurde Hitler Parteiführer. Ausgrenzung und Verfolgung von Jüdinnen und Juden gehörten von Beginn an zur Ideologie der Bewegung.

1933

Machtübertragung und Zerstörung des Rechtsstaats

Am 30. Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar setzte Grundrechte außer Kraft; das Ermächtigungsgesetz vom 23. März erlaubte der Regierung, ohne Parlament Gesetze zu erlassen. Verhaftungen, Folter und Mord an politischen Gegnern begleiteten die Errichtung der Diktatur.

1933

Dachau und die ersten Repressionskampagnen

Am 22. März 1933 wurde bei München das Konzentrationslager Dachau eröffnet. Es wurde zum Modell des Lagersystems; Theodor Eicke prägte seine brutale Ordnung. Ein zentral organisierter Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April leitete weitere Maßnahmen zur Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden aus dem öffentlichen Leben ein. Im Mai folgten öffentliche Bücherverbrennungen.

1934

Die Morde vom 30. Juni bis 2. Juli („Nacht der langen Messer“)

Auf Hitlers Befehl wurden mindestens 85 Menschen ermordet, darunter die SA-Führung um Ernst Röhm und weitere politische Gegner. Das Regime gab die Morde als „Staatsnotwehr“ aus und legalisierte sie nachträglich. Himmlers SS ging daraus als wichtigstes Terrorinstrument hervor.

1935

Nürnberger Gesetze

Am 15. September 1935 erließ das Regime die Nürnberger Gesetze. Jüdinnen und Juden verloren die Reichsbürgerschaft; Ehen und sexuelle Beziehungen zwischen Juden und als „deutschblütig“ klassifizierten Menschen wurden verboten. Rassistische Klassifizierung wurde zur Grundlage einer sich verschärfenden Verfolgung.

1938

„Anschluss“ Österreichs und Novemberpogrome

Am 12. März 1938 annektierte das Deutsche Reich Österreich. Unmittelbar folgten öffentliche Gewalt, Demütigung und Raub gegen Jüdinnen und Juden. Am 9. und 10. November organisierte das Regime reichsweite Pogrome: Synagogen brannten, Tausende Geschäfte und Wohnungen wurden angegriffen, mindestens 91 Menschen ermordet und etwa 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt.

1939

Überfall auf Polen und Beginn des Besatzungsterrors

Am 1. September 1939 überfiel Deutschland Polen und begann damit den Zweiten Weltkrieg in Europa. Von den ersten Tagen an begingen Wehrmacht und Einsatzgruppen Kriegsverbrechen an Zivilisten und Kriegsgefangenen. Westpolnische Gebiete wurden annektiert; in Zentral- und Südpolen entstand das Generalgouvernement als Raum von Vertreibung, Razzien, Zwangsarbeit und Hinrichtungen.

1939–1940

Intelligenzaktion — Mord an polnischen Eliten

Von Herbst 1939 bis 1940 verfolgten deutsche Sicherheits- und paramilitärische Formationen systematisch Lehrkräfte, Geistliche, Beamte, Ärzte, Landbesitzer und gesellschaftliche Führungspersonen in den annektierten polnischen Gebieten. Einsatzgruppen und Volksdeutscher Selbstschutz verübten Massenerschießungen, unter anderem in den Wäldern von Piaśnica. Die Aktionen bildeten eine frühe Phase des Angriffs auf die polnische Führungsschicht und Gesellschaft.

1939

Beginn der „Aktion T4“ — Mord an kranken und behinderten Menschen

Im Herbst 1939 unterzeichnete Hitler eine auf den 1. September rückdatierte Ermächtigung für das fälschlich „Euthanasie“ genannte Mordprogramm. Philipp Bouhler und Karl Brandt organisierten die Tötung von Psychiatriepatienten und Menschen mit Behinderungen. Bis August 1941 wurden in der zentral gesteuerten Gasphase etwa 70.000 Menschen ermordet; dezentrale Morde gingen weiter, und Personal sowie Methoden wurden später im Holocaust eingesetzt.

1940

KZ Auschwitz und Ghettos im besetzten Polen

Am 14. Juni 1940 traf der erste Transport polnischer politischer Gefangener im neu eingerichteten KZ Auschwitz ein; Rudolf Höss wurde Kommandant. Die deutschen Behörden riegelten im April das Ghetto Łódź und im November das Warschauer Ghetto ab. Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Hinrichtungen töteten bereits vor und während der späteren Deportationen zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner.

1940

AB-Aktion gegen polnische Eliten im Generalgouvernement

Von Mai bis Juli 1940 führten deutsche Verwaltung und Polizei die AB-Aktion gegen die polnische Intelligenz und andere als mögliche Führung des Widerstands eingestufte Gruppen durch. Tausende wurden an verborgenen Hinrichtungsstätten wie Palmiry ermordet, andere in Konzentrationslager verschleppt. Hans Frank billigte die Politik; Friedrich-Wilhelm Krüger führte den SS- und Polizeiapparat.

1941

Überfall auf die Sowjetunion und Massenerschießungen der Einsatzgruppen

Am 22. Juni 1941 überfiel Deutschland die Sowjetunion. Die Einsatzgruppen A bis D ermordeten mit Unterstützung von Ordnungspolizeibataillonen und örtlichen Kollaborateuren Jüdinnen und Juden, Roma, Psychiatriepatienten und sowjetische Funktionäre; bis 1943 zählten ihre Opfer mehr als eine Million. Etwa 3,3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene starben zudem in deutscher Gefangenschaft durch Hunger, Krankheit und Hinrichtung.

1941

Hungerplan und verbrecherische Befehle der Wehrmacht

Die deutsche Planung für den Überfall auf die Sowjetunion nahm den Hungertod von Millionen Menschen als Folge der Lebensmittelabfuhr ins Reich in Kauf. Herbert Backe wirkte am Hungerplan mit. Der Kommissarbefehl und weitere verbrecherische Weisungen, darunter Walther von Reichenaus Reichenau-Befehl, banden die Wehrmacht in einen Vernichtungskrieg und antisemitische Gewalt ein.

1941

Babyn Jar (Babi Jar)

Am 29. und 30. September 1941 erschoss das Sonderkommando 4a unter Paul Blobel zusammen mit Kräften im Verantwortungsbereich Friedrich Jeckelns in der Schlucht Babyn Jar bei Kyjiw 33.771 jüdische Frauen, Männer und Kinder. In den folgenden Monaten ermordeten deutsche Einheiten dort Zehntausende weitere Menschen.

1941

Frühe Massentötungen mit Giftgas

Im September 1941 ermordete die SS in Auschwitz sowjetische Kriegsgefangene und kranke Häftlinge bei Versuchen mit Zyklon B. Am 8. Dezember nahm die Tötungsstätte Kulmhof bei Chełmno nad Nerem den Betrieb auf; dort wurden Jüdinnen und Juden aus dem Wartheland in Gaswagen ermordet. Systematische Tötung durch Gas trat neben die Massenerschießungen als zentrales Mordverfahren des Holocaust.

1941–1944

Völkermord an Sinti und Roma

NS-Deutschland und seine Verbündeten verfolgten und ermordeten Sinti und Roma parallel zum Holocaust. Einsatzgruppen erschossen Roma in den besetzten Ostgebieten; Zehntausende wurden in Ghettos und Lager verschleppt. In Auschwitz-Birkenau ermordete die SS in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 etwa 4.300 noch lebende Gefangene des sogenannten Zigeunerfamilienlagers. Die Gesamtschätzungen unterscheiden sich erheblich und bleiben Gegenstand der Forschung.

1942

Wannsee-Konferenz — 20. Januar

In einer Villa am Wannsee leitete Reinhard Heydrich eine Besprechung hoher Beamter zur Koordination von Deportation und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden. Adolf Eichmann fertigte das Protokoll an. Die Konferenz setzte den bereits laufenden Holocaust nicht in Gang, sondern koordinierte die Beteiligung von Ministerien und Behörden an seiner europaweiten Durchführung.

1942

„Aktion Reinhardt“

1942 nahmen die Tötungsstätten Bełżec, Sobibór und Treblinka den Betrieb auf, um die Jüdinnen und Juden des Generalgouvernements zu ermorden. Odilo Globocnik leitete die Aktion, Christian Wirth beaufsichtigte die Tötungsstätten. Bei der Massendeportation aus dem Warschauer Ghetto im Sommer 1942 wurden etwa 265.000 Menschen nach Treblinka deportiert und ermordet. Schätzungen für die gesamte „Aktion Reinhardt“ liegen bei etwa 1,7 bis 1,8 Millionen Ermordeten.

1942

Deportationen von Jüdinnen und Juden aus West- und Südeuropa

Ab 1942 organisierten Mitarbeiter von Adolf Eichmanns Dienststelle Deportationen aus dem besetzten West- und Südeuropa. Die Razzia im Pariser Vélodrome d’Hiver und Durchgangslager wie Drancy, Westerbork und Mechelen wurden Stationen auf dem Weg nach Auschwitz. Theodor Dannecker und Alois Brunner koordinierten Transporte innerhalb von Polizeiapparaten unter Funktionären wie Karl Oberg und Hanns Albin Rauter.

1942

Attentat auf Heydrich und deutsche Vergeltung — Lidice

Tschechoslowakische Fallschirmjäger verwundeten Reinhard Heydrich am 27. Mai 1942 in Prag tödlich; er starb am 4. Juni. Bei den deutschen Vergeltungsmaßnahmen wurde Lidice am 10. Juni zerstört: 173 Männer wurden erschossen, Frauen nach Ravensbrück deportiert und die meisten Kinder ermordet. Auch Ležáky wurde vernichtet. Karl Hermann Frank gehörte zu den führenden Verantwortlichen des folgenden Terrors.

1942–1944

Aktion 1005 — Beseitigung von Spuren

Mit der Sonderaktion 1005 versuchte die SS, Massenmorde zu verschleiern. Zu Sonderkommandos gezwungene Gefangene öffneten Massengräber und verbrannten Leichen von Opfern der Erschießungen und Tötungsstätten. Paul Blobel, zuvor Kommandeur des Sonderkommandos 4a in Babyn Jar, leitete die Aktion. Sie vernichtete Beweise und viele der Zwangsarbeiter, konnte die Verbrechen aber nicht aus der Überlieferung tilgen.

1943

Aufstand im Warschauer Ghetto

Angesichts der endgültigen Auflösung des Ghettos leisteten Kämpferinnen und Kämpfer der Jüdischen Kampforganisation und des Jüdischen Militärverbands ab 19. April 1943 Widerstand gegen SS und Polizei. Deutsche Einheiten schlugen den Aufstand bis 16. Mai nieder und brannten das Ghetto Haus für Haus ab. Etwa 13.000 Jüdinnen und Juden starben dort, Zehntausende wurden in Tötungsstätten und Zwangsarbeitslager deportiert.

1943

Auflösung der Ghettos und „Aktion Erntefest“

1943 lösten deutsche Kräfte Ghettos im besetzten Polen und in den Ostgebieten auf, ermordeten Bewohner vor Ort oder deportierten sie in Tötungsstätten. Am 3. und 4. November erschossen SS- und Polizeieinheiten bei der „Aktion Erntefest“ etwa 42.000 Jüdinnen und Juden in Majdanek, Poniatowa und Trawniki — die größte einzelne deutsche Massenerschießungsaktion des Krieges.

1942–1943

Generalplan Ost und Vertreibungen aus der Region Zamość

Der Generalplan Ost sah Vertreibung, Ausbeutung und Vernichtung von Millionen Menschen vor, um Raum für deutsche Besiedlung zu schaffen; Konrad Meyer arbeitete an seinen Planungsgrundlagen. In der Region Zamość vertrieben deutsche Stellen von November 1942 bis März 1943 etwa 110.000 Polen aus 297 Dörfern. Familien wurden getrennt, Kinder rassistisch selektiert und viele Menschen nach Auschwitz oder zur Zwangsarbeit verschleppt.

1942–1945

Verbrecherische Menschenversuche

SS-Ärzte führten an KZ-Häftlingen erzwungene und häufig tödliche Versuche durch. Karl Gebhardt und Herta Oberheuser nahmen in Ravensbrück Sulfonamid- und Knochenversuche vor; Carl Clauberg führte Sterilisationsversuche durch, Josef Mengele selektierte in Auschwitz Opfer für Experimente. Wolfram Sievers verwaltete Ahnenerbe-Projekte, darunter den Mord an Menschen für eine Skelettsammlung. Karl Brandt nahm eine führende Stellung im medizinischen Apparat ein.

1944

Vernichtung der ungarischen Jüdinnen und Juden

Nach der deutschen Besetzung Ungarns im März 1944 organisierte Adolf Eichmanns Kommando gemeinsam mit ungarischen Behörden die Deportationen. Vom 15. Mai bis 9. Juli wurden etwa 440.000 Jüdinnen und Juden deportiert, die meisten nach Auschwitz-Birkenau, wo die Mehrheit kurz nach der Ankunft ermordet wurde. SS-Ärzte, darunter Josef Mengele, führten Selektionen an der Rampe durch.

1944

Warschauer Aufstand und Verbrechen an Zivilisten

Während der Niederschlagung des Warschauer Aufstands vom 1. August bis 2. Oktober 1944 begingen deutsche Kräfte Massenverbrechen an Zivilisten. In den ersten Tagen wurden in Wola Zehntausende Menschen ermordet, unter anderem durch Oskar Dirlewangers Formation. Nach der Kapitulation vertrieben deutsche Behörden die Bevölkerung und zerstörten die Stadt systematisch.

1944–1945

Todesmärsche

Als die Fronten näher rückten, räumte die SS Konzentrationslager und trieb die Häftlinge ins Innere des Reichs. Im Januar 1945 wurden etwa 56.000 Auschwitz-Häftlinge bei winterlichen Bedingungen zu Fuß nach Westen gezwungen; Wachmannschaften ermordeten Menschen, die nicht weitergehen konnten. Zehntausende starben auf Märschen und Transporten aus geräumten Lagern.

1945

Befreiung der Lager, deutsche Kapitulation und Ende des Regimes

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee Auschwitz; im Frühjahr erreichten alliierte Truppen unter anderem Buchenwald, Bergen-Belsen, Dachau und Mauthausen und dokumentierten die Verbrechen. Hitler beging am 30. April Suizid, Goebbels am folgenden Tag. Deutschland kapitulierte am 8. Mai bedingungslos. Himmler tötete sich nach seiner Festnahme; weitere Regimeführer kamen in alliierte Haft.

Nachkriegsprozesse und juristische Aufarbeitung

Ausgewählte Verfahren, die unterschiedliche Ebenen der Verantwortung rekonstruierten und zugleich die Grenzen der Nachkriegsjustiz sichtbar machen.

1945–1946

Internationaler Militärgerichtshof in Nürnberg

Ab 20. November 1945 verhandelte der Internationale Militärgerichtshof gegen führende deutsche Kriegsverbrecher wegen Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Urteil vom 1. Oktober 1946 verhängte zwölf Todesstrafen, darunter gegen Martin Bormann in Abwesenheit. Hermann Göring beging vor der Hinrichtung Suizid; zehn weitere Verurteilte wurden am 16. Oktober hingerichtet. Der Prozess wurde zu einer Grundlage des modernen Völkerstrafrechts.

1946–1949

Nürnberger Nachfolgeprozesse

Zwölf Verfahren vor US-amerikanischen Militärgerichten untersuchten Ärzte, Juristen, SS-Wirtschaftsverwalter, Einsatzgruppenkommandeure, Ministerien, Industrielle und militärische Führer. Karl Brandt, Karl Gebhardt, Oswald Pohl, Otto Ohlendorf und Paul Blobel gehörten zu den zum Tode Verurteilten. Die Akten dokumentierten die Rolle professioneller, wirtschaftlicher und bürokratischer Eliten bei den NS-Verbrechen.

1946–1948

Prozesse vor dem Obersten Nationalen Tribunal Polens

In sieben Verfahren urteilte das Tribunal über Täter von Verbrechen im besetzten Polen. Arthur Greiser, Amon Göth und Rudolf Höss wurden hingerichtet; Albert Forster wurde 1948 zum Tode verurteilt und 1952 hingerichtet. Das Gericht verhandelte außerdem gegen Angehörige des Auschwitz-Personals. In einem getrennten Verfahren verurteilte ein Gericht in Łódź Hans Biebow zum Tode.

1961–1962

Eichmann-Prozess in Jerusalem

Der im Mai 1960 in Argentinien gefasste Adolf Eichmann stand ab 11. April 1961 in Jerusalem wegen seiner Rolle bei den Deportationen und im Holocaust vor Gericht. Die Aussagen von mehr als hundert Überlebenden brachten die Erfahrungen der Opfer in bis dahin beispielloser Weise an eine internationale Öffentlichkeit. Im Dezember 1961 wurde Eichmann zum Tode verurteilt und am 1. Juni 1962 hingerichtet.

1963–1965

Frankfurter Auschwitz-Prozess

Vom 20. Dezember 1963 bis August 1965 verhandelte das Landgericht Frankfurt am Main gegen 22 frühere Angehörige und Funktionsträger des Auschwitz-Komplexes. Etwa 360 Zeuginnen und Zeugen sagten aus, darunter viele Überlebende. Die Urteile reichten bis zu lebenslangen und mehrjährigen Freiheitsstrafen; der Prozess konfrontierte die westdeutsche Gesellschaft mit lange verdrängten Verbrechen.

1970–1971

Prozess gegen Franz Stangl in Düsseldorf

Franz Stangl, früherer Kommandant von Sobibór und Treblinka, wurde 1967 aus Brasilien ausgeliefert und 1970 in Düsseldorf angeklagt. Am 22. Dezember wurde er wegen gemeinschaftlicher Beihilfe zum Mord an mindestens 400.000 Menschen in Treblinka zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Er starb im Juni 1971 in Haft.

Besetztes Polen — Forschungscluster der dritten Welle

Ergänzende Chronologie von Aktionen, Orten und Ereignissen, die mit den in der dritten Welle aufgenommenen Profilen verbunden sind.

1939–1940

Intelligenzaktion

Deutsche Aktionen gegen polnische politische, gesellschaftliche, religiöse und berufliche Eliten, regional durchgeführt von Sicherheitspolizei und SD, SS, Polizei und Volksdeutschem Selbstschutz.

1939

Unternehmen Tannenberg

Vor dem Überfall auf Polen vorbereitete Operation des Sicherheitsapparats zur Erfassung, Fahndung, Festnahme und Ausschaltung von Menschen, die als Gegner der deutschen Besatzung eingestuft wurden. Sie bildete einen operativen Rahmen für die Einsatzgruppen 1939.

1939–1940

Intelligenzaktion Pommern

Regionaler Komplex von Vernichtungsaktionen in Pommern, durchgeführt von Einsatzkommando 16, SS-Verbänden, Volksdeutschem Selbstschutz und Polizei unter Verantwortung der Bezirksbehörden.

1940

AB-Aktion

Außerordentliche Repressionsaktion im Generalgouvernement gegen polnische Eliten und Milieus, denen die Besatzer die Fähigkeit zur Organisation von Widerstand zuschrieben. Zivilverwaltung, Sicherheitspolizei und SD sowie weitere Polizeikräfte setzten sie um.

1939–1940

Massenerschießungsstätten von Piaśnica

Komplex von Hinrichtungsorten in den Wäldern von Piaśnica, der Einsatzkommando 16, SS-Wachsturmbann Eimann, Volksdeutschen Selbstschutz, Polizei und Bezirksbehörden verband.

1939–1941

Massenerschießungsstätte Palmiry

Ort, an dem deutsche Kräfte politische Gefangene und Angehörige polnischer Eliten aus dem Distrikt Warschau ermordeten; eng verbunden mit der AB-Aktion und dem Gefängnis Pawiak.

1942–1943

Vertreibungen aus der Region Zamość

Programm von Vertreibung, rassistischer Selektion, Trennung von Familien, Deportation und deutscher Besiedlung, umgesetzt von SS, Polizei, Umwandererzentralstelle und Besatzungsverwaltung.

August 1944

Massaker von Wola

Komplex von Massenverbrechen an der Zivilbevölkerung des Warschauer Stadtteils Wola in den ersten Augusttagen, begangen von SS, Polizei und Hilfsformationen bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstands.

August–September 1944

Verbrechen in Warschauer Krankenhäusern während des Aufstands

Dokumentierte Morde an Patientinnen, Patienten und Personal sowie gewaltsame Vertreibungen aus Krankenhäusern in mehreren Warschauer Stadtteilen. Die Kategorie fasst unterschiedliche Tatorte, Einheiten und Befehlsketten nicht zu einem einzigen Geschehen zusammen.

August–Oktober 1944

Dulag 121 Pruszków und die Vertreibung der Warschauer Bevölkerung

Durchgangslager und zentraler Knotenpunkt für Vertreibung, Selektion und weitere Deportation der Einwohnerinnen und Einwohner Warschaus während und nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands.

Vierte Welle — Handlungsketten des Besatzungsapparats

Ereignisse, die Verwaltungsentscheidungen, regionale Polizeidienststellen, Raublogistik und unmittelbare Gewalt miteinander verbinden.

September–November 1939

Bydgoszcz: Übergang von Militärherrschaft zu Polizeiterror

Im Herbst 1939 bildeten aufeinanderfolgende Strukturen von Wehrmacht, Einsatzgruppen, Gestapo und Selbstschutz ein miteinander verbundenes, institutionell jedoch gegliedertes System von Verhaftungen, Selektionen und Hinrichtungen.

10. Dezember 1939

Anordnung zur Errichtung des Ghettos Łódź

Verbundener Mechanismus aus Regierungsbezirk, Stadtverwaltung, Ghettoverwaltung und Gestapo: von Errichtung und Abriegelung des Ghettos bis zu Ausbeutung, Raub und Deportationen nach Kulmhof.

1939–1941

Sonderkommando Lange ermordet Psychiatriepatienten

Die von Herbert Lange geführte Sondereinheit der Sicherheitspolizei ermordete Patientinnen und Patienten psychiatrischer Einrichtungen im Wartheland. Personal und Erfahrungen der Einheit bildeten später einen Kern des Tötungsapparats in Kulmhof.

1941–1944

Polizeistandgericht tagt in Block 11 von Auschwitz

Das Organ der Sicherheitspolizei fällte in beschleunigten Verfahren Urteile gegen Menschen, die als Feinde der Besatzungsmacht eingestuft wurden. Sitzungen in Block 11 endeten häufig mit der sofortigen Hinrichtung.

1942–1943

„Werterfassung“ beschlagnahmt Eigentum nach Deportationen aus dem Warschauer Ghetto

Der Apparat erfasste, sortierte und überführte Eigentum deportierter und ermordeter Bewohnerinnen und Bewohner. Er bildete einen wirtschaftlichen und logistischen Bestandteil der Auflösung des Ghettos.

März–Juli 1944

Kulmhof wieder in Betrieb, Deportationen aus Łódź fortgesetzt

Das Sonderkommando Bothmann baute 1944 die Tötungsinfrastruktur wieder auf. Die Deportation von Bewohnerinnen und Bewohnern des Ghettos Łódź, die in Gaswagen ermordet wurden, begann erneut.

17.–18. Januar 1945

Auflösung des Gefängnisses Radogoszcz

Radogoszcz war ein deutsches Gefängnis im besetzten Łódź, geprägt von systematischer Gewalt, Folter und Todesfällen in Haft. Bei der Auflösung massakrierte das Personal Gefangene und setzte das Gebäude in Brand.

Zehn Ereignisknoten, die regionale Polizeidienststellen, Ausbildung, Tötungsstätten, Zwangsarbeit, den Eigentumstransfer und die staatsanwaltschaftliche Repression als unterschiedliche, aber verbundene Handlungsketten zeigen.

1941–1943

Białystok: Apparat von Sipo und SD

Die regionale Struktur von Sicherheitspolizei und SD verband KdS-Leitung, Gestapo und Judenreferate mit Repression gegen Zivilisten, Ghettoisierung und Deportationen. Sie wird nicht als einheitlicher persönlicher Tatnachweis für alle ihr zugeordneten Personen behandelt.

1939–1944

Pawiak: Gefängnis im System des Terrors

Pawiak verband Verhaftungen, Vernehmungen, Gewalt gegen Gefangene, Selektion und Transporte zu Hinrichtungsorten. Das Ereignis beschreibt einen institutionellen Zusammenhang, nicht eine pauschale Zurechnung aller dortigen Verbrechen zu einer einzelnen Person.

November 1939

Bydgoszcz: repressive Bekanntmachung der Verwaltung

Die lokale Partei- und Stadtverwaltung stellte Repression öffentlich dar und gab ihr einen amtlichen Rahmen. Diese Verbindung von Verwaltung und Gewalt ersetzt nicht die Unterscheidung zwischen dem Unterzeichner und den jeweils ausführenden Formationen.

1940–1942

Łódź: Koordination von Sipo und Ghettverwaltung

Die Schnittstelle von Gestapo, Besatzungsverwaltung und Ghetto Litzmannstadt koordinierte polizeiliche Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung. Ein Amt in dieser Struktur bedeutet nicht die selbständige Verantwortung für jede Deportationsentscheidung.

1940–1944

Rabka und Nowy Sącz: regionale Glieder von Sipo und SD

Eine Außendienststelle, ein Gefängnis und eine Schule für Polizeikräfte waren im Distrikt Krakau unterschiedliche regionale Glieder des Sicherheitsapparats. Der Zusammenhang von Ausbildung, Felddienst und lokalen Verbrechen darf individuelle Verantwortlichkeit nicht nivellieren.

1941–1944

Trawniki: Ausbildung und Zuweisung von Wachmännern

Das SS-Ausbildungslager Trawniki bildete Hilfsformationen aus und wies sie Ghettos, Arbeitslagern und Polizeieinsätzen zu. Das Ereignis behandelt die Verwaltung dieses Glieds, ohne die Verantwortung für konkrete einzelne Taten zu verallgemeinern.

1942–1943

Bełżec und Sobibór: Rollen in der Kette des Massenmords

Lagerkommando, Personal und die technische Inbetriebnahme der Vergasungsanlagen waren in der „Aktion Reinhardt“ voneinander unterscheidbare Funktionen. Keine dieser Rollen wird mit der gesamten Geschichte der Tötungsstätten gleichgesetzt.

1942–1945

Lublin und Reichsbank: Eigentum der Opfer im Finanzkreislauf

Die Erfassung, der Transfer und die finanzielle Verarbeitung von den Opfern abgenommenen Werten verbanden die Verwaltung der „Aktion Reinhardt“ mit der Reichsbank. Das Ereignis grenzt diese dokumentierte Aneignung von direkter Tötungstätigkeit ab.

1941–1943

Warschau–Poniatowa: Zwangsarbeit und Unternehmen

Die Verlegung jüdischer Arbeitskräfte zwischen dem Warschauer Ghetto und den Betrieben in Poniatowa verknüpfte Privatunternehmen, Arbeitsverwaltung und Repressionsapparat. Sie macht einen Unternehmer nicht automatisch für jede Entscheidung im Lager verantwortlich.

1939–1945

Staatsanwaltschaft: Recht als Repressionsmechanismus

Staatsanwaltschaften beim Volksgerichtshof und im Reichsjustizministerium verwandelten politische Repression in Anklagen, Strafanträge und Hinrichtungen. Das Ereignis trennt die Anklagefunktion von den jeweiligen gerichtlichen Entscheidungen und ihrer Vollstreckung.

Sechste Welle — regionale Ketten von Befehl, Ausführung und Aufarbeitung

Elf Ereignisknoten verbinden regionale Polizei- und Gestapodienststellen, die Ordnungspolizei, Lagerkommandanturen, den repressiven Justizapparat, Germanisierung und Zwangsarbeit. Jeder Knoten unterscheidet Befehlsgewalt, konkrete Ausführung, dokumentierte Beteiligung und den Umfang der juristischen Aufarbeitung.

1939–1945

Regionale Sipo und SD: vom Kommando zur Außenstelle

Ein Netz regionaler Kommandeure, Gestapo-Außenstellen und Abteilungen der Sicherheitspolizei setzte die Prioritäten des RSHA und der SS- und Polizeiführer in Verhaftungen, Standgerichtsverfahren, Deportationen und Hinrichtungen um. Der Knoten verbindet übergeordnete Ebenen, schreibt jedoch keinem Kommandeur sämtliche Handlungen unterstellter Dienststellen zu.

1941–1943

Kołomyja: Hinrichtungen, Selektionen und Deportationen

Die Außenstelle von Sipo und SD in Kołomyja verband das regionale Kommando des KdS Lemberg mit Massenhinrichtungen, Selektionen und Deportationen nach Bełżec. Das Profil des Außenstellenleiters beschreibt Befehl und Aufsicht bei konkreten Aktionen, nicht automatisch jede Tat mobiler Gruppen.

1940–1943

Łuków und Radzyń: Gestapo und Deportationspolizei

Die Verwaltung jüdischer Angelegenheiten in der Gestapo-Außenstelle, Weisungen an den Judenrat, Requisitionen und Vorbereitungen zur Deportation trafen in Łuków mit Einheiten der Ordnungspolizei zusammen. Der Knoten trennt die Rolle eines Gestapo-Funktionärs von der Führung des Polizei-Bataillons 101 und der aus Lublin entsandten Formationen.

1939–1943

Wien: Bürokratie der Transportselektion

Die Zentralstelle für jüdische Auswanderung und die Sammellager verwandelten Registrierung, Zwang, Transportselektion und Vermögensentzug in einen regelmäßigen Deportationsmechanismus. Der Knoten unterscheidet Anton Brunner, bezeichnet als „Brunner II“, von Alois Brunner.

1942–1943

Bataillon 101: Führung und Kompanien

Der Bataillonskommandeur und die Kommandeure seiner drei Kompanien bildeten getrennte Ebenen bei Vorbereitung und Ausführung von Massenhinrichtungen und Ghettoauflösungen im Distrikt Lublin. Die wirklichen Namen dieser Kommandeure sind unabhängig bestätigt und von den Pseudonymen zu unterscheiden, die Christopher R. Browning für andere Polizisten verwendete.

1941–1942

Ordnungspolizei: Befehle und Hinrichtungsmeldungen

Befehle von Kommandeuren, Aufträge an Bataillone und Kompanien, Lagerbewachung, Massenerschießungen und spätere Meldungen bildeten eine polizeiliche Ausführungskette. Die Profile bewahren die Unterschiede zwischen der Weitergabe eines Befehls, der Führung einer Einheit, der Unterzeichnung einer Meldung, einem unmittelbaren Schuss und dem vom Gericht bewerteten Beweisumfang.

1942–1945

Stutthof: Kommandantur, Vergasung und Evakuierung

Die Kommandantur des Konzentrationslagers Stutthof verband die Leitung des Lagers und seines Außenlagernetzes mit Arbeitsausbeutung, Selektionen, Tötung in der Gaskammer und Vorbereitung der Evakuierung. Der Umfang der Verurteilung des Kommandanten wird nicht mit dem gesamten Katalog der Verbrechen des Personals und während der Todesmärsche gleichgesetzt.

1942–1944

Majdanek und Auschwitz: Krematorien und Leichenbeseitigung

Lagerkommandantur, Arbeitsverwaltung, Leitung eines Krematoriums und Aufsicht über Gefangenenkommandos zur Leichenbeseitigung waren getrennte Glieder des Lagerapparats. Der Knoten schreibt weder dem Krematoriumsleiter die Entscheidung zum Beginn jeder Hinrichtung noch einem Kommandanten jede Tat des unterstellten Personals zu.

1939–1945

Repressiver Justizapparat

Sonder- und Feldgerichte sowie Besatzungsstaatsanwaltschaften setzten rassistisches und repressives Recht in Anklagen, Anträge auf Todesstrafe, Urteile und Hinrichtungen um. Das Profil jedes Juristen stützt sich auf konkrete Fälle und Entscheidungen, nicht auf die gesamte Tätigkeit eines Gerichts oder einer Staatsanwaltschaft.

1940–1945

RKFDV und RuSHA: Selektion und Germanisierung

Zentrale Anweisungen des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums und rassische Begutachtungen des RuSHA verbanden Vertreibung, Klassifizierung der Bevölkerung, Wegnahme von Kindern und ihre Zuführung zur Germanisierung. Die Verantwortung in den Profilen ergibt sich aus eigenen Anweisungen der Personen und den Feststellungen des RuSHA-Prozesses, nicht allein aus ihrem SS-Rang.

1939–1945

Flick-Konzern: Zwangsarbeit und Finanzierung der SS

Eigentümer- und Managemententscheidungen im Schwerindustriekonzern verbanden das Bemühen um Zuweisung von Zwangsarbeitern, die Ausbeutung von Betrieben in besetzten Gebieten und regelmäßige Zahlungen an die SS. Der Knoten wahrt die Grenzen des Urteils und überträgt dem Eigentümer nicht jede Handlung jedes Betriebsleiters.

Siebte Welle — europäische Ketten von Besatzung, Deportation und Raub

Fünfzehn Ereignisse rekonstruieren, wie verbrecherische Militärbefehle, regionale Polizeikommandos, Deportationsstäbe, Lagerverwaltung, Begleitungen von Bahntransporten, Finanzinstitutionen und Rauborganisationen Entscheidungen mit ihrer Ausführung verbanden. Die Abfolge wahrt die unterschiedlichen Befugnisse, Zeiträume und Beweisgrenzen jedes Profils.

1939–1945

OKW: rechtliche und operative Vorbereitung verbrecherischer Befehle

Die operativen, allgemeinen und rechtlichen Abteilungen des Oberkommandos der Wehrmacht überführten die politischen Ziele des Regimes in Weisungen zur Kriegsgerichtsbarkeit, zu Kriegsgefangenen und Kommandos, zur Übergabe von Gefangenen an die Sicherheitspolizei und zur Zwangsarbeit. Der Ereignisknoten unterscheidet bei einzelnen Befehlen Urheberschaft, Prüfung, Verteilung und Ausführung.

1941–1944

Rückwärtige Heeresgebiete: militärische Verwaltung des Terrors

Die Kommandos der rückwärtigen Heeresgebiete koordinierten die Sicherung des Hinterlandes, die Militärverwaltung und die Zusammenarbeit mit SS und Sicherheitspolizei. Befehle gegen Kriegsgefangene, Juden und vermeintliche Partisanen verbanden militärische Führung mit Massenhinrichtungen, Deportationen und Zwangsarbeit; das Profil eines Kommandeurs übernimmt nicht automatisch jedes Verbrechen unterstellter Einheiten.

Juli–August 1941

Polesien: Eskalation der Morde durch die SS-Kavallerie

Einheiten der SS-Kavallerie-Brigade führten in Polesien Himmlers Befehle aus, die sich während der Operation zum systematischen Mord an der jüdischen Bevölkerung entwickelten. Meldungen, Feldbefehle und ein Nachkriegsurteil erlauben es, die zentrale Ebene, die Führung der Abteilung und die Ausführung der Erschießungen zu unterscheiden.

1941–1944

Balkan: Geiseln, Vergeltung und Besatzungsverwaltung

Im besetzten Jugoslawien und Griechenland setzten militärische Führung, Zivilverwaltung und Polizei Geiselerschießungen, Vergeltungsmaßnahmen, Internierung und Deportation ein. Der Ereignisknoten zeigt die getrennten Befugnisse des Oberbefehlshabers im Südosten und des Verwaltungschefs in Serbien, ohne sämtliche Entscheidungen beider gleichzusetzen.

1941–1944

Białystok: Kommando der Sicherheitspolizei und Gestapoabteilungen

Der Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD, die Gestapoleitung, das Judenreferat und die Abteilungen zur Bekämpfung des Widerstands bildeten getrennte Glieder des regionalen Apparats. Prozessakten erlauben die Zuordnung konkreter Entscheidungen, Deportationen und Hinrichtungen, statt eine Person mit allen Verbrechen des Bezirks zu belasten.

1939–1945

Regionale Sipo und SD: Verlagerung von Personal und Praktiken

Die wechselnde Besetzung der Kommandos in Łódź, Kraków, Lublin, Riwne und Norwegen zeigt die Mobilität des Personals der Sicherheitspolizei und die Übertragung von Praktiken der Vernehmung, Hinrichtung, des Geiselterrors und der Liquidierung von Gefangenen. Jedes Profil wahrt seinen eigenen zeitlichen und territorialen Umfang.

1942–1943

Distrikt Lublin: Deportationsstab und Arbeitslager

Die Stäbe der SS- und Polizeiführer koordinierten Transporte, Selektionen und Umsiedlungen mit den Vollstreckern vor Ort und einem Netz von Arbeitslagern. Der Ereignisknoten trennt die Organisation der Deportation, die Lagerführung und unmittelbare Gewalt und begrenzt das Profil von Helmut Ortwin Pohl auf die dokumentierte erste Hälfte des Jahres 1942.

1939–1945

Stutthof und Neuengamme: Kommandantur und Außenlager

Der Wechsel des Kommandanten und der Ausbau des Außenlagernetzes verbanden Lagerdisziplin, Ausbeutung der Gefangenenarbeit und die Weitergabe von Hinrichtungsbefehlen. Das Profil Max Paulys umfasst seine eigene Kommandoebene und die Feststellungen des Prozesses, nicht den gesamten Katalog der Taten jedes Wachmanns.

1941–1944

Lublin, Majdanek und Budzyn: Lagerdisziplin und Gewalt

Ein Arbeitslagerkommandant und ein Schutzhaftlagerführer nahmen unterschiedliche Stellen im System von Zwangsarbeit, Selektion, Strafe und Hinrichtung ein. Die Profile stützen sich auf Feststellungen zu ihren eigenen Funktionen und Taten, ohne ihnen die gesamte Verantwortung für das KL Lublin und alle seine Außenstellen zu übertragen.

Juni–September 1941

Tilsit: grenznaher Mechanismus der Massenhinrichtungen

Die Gestapostelle in Tilsit und ein aus ihrem Personal gebildetes Kommando führten Massenhinrichtungen an der deutsch-litauischen Grenze und im Gebiet Suwałki durch. Der Ulmer Prozess rekonstruierte den Befehl, die Zusammensetzung des Kommandos und die Rolle seines Führers, ersetzt jedoch nicht die Feststellungen zu jeder einzelnen Hinrichtung.

Dezember 1941

Düsseldorf–Riga: Begleitung und Bericht eines Deportationstransports

Eine Deportation per Bahn erforderte Erfassung, Zugzusammenstellung, Polizeibegleitung, Befehle zum Gewalteinsatz und die Übernahme des Transports. Paul Salitters Bericht dokumentiert die Täterperspektive und muss kritisch zusammen mit Archiven der Opfer und institutioneller Dokumentation gelesen werden.

1940–1944

ERR und Görings Sammlung: Umlauf geraubten Eigentums

Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg, die Dienststelle Westen, die Möbel-Aktion und ein Netz von Kunstmarktakteuren verwandelten die Beschlagnahme jüdischer Sammlungen und Wohnungseinrichtungen in Erfassung, Auswahl, Tausch und Transport. Der Ereignisknoten trennt die Leitung der Institution, die Auswahl von Werken, den Handel und die Ausbeutung von Arbeitskräften bei der Sortierung.

1939–1945

Banken, WVHA und Wirtschaftsunternehmen der SS

Bankkredite, die Führung von SS-Unternehmen, die Versorgung der Lager und Gefangenenarbeit verbanden den Finanzsektor mit dem Wirtschaftsapparat der SS. Die Urteile unterscheiden Handlungen, die einzelnen Angeklagten zugerechnet wurden, von verworfenen Vorwürfen, darunter der nicht bewiesenen Zuordnung bestimmter Beute aus der Aktion Reinhardt.

1940–1945

Industrie: Zuweisung und Ausbeutung von Zwangsarbeit

Leiter von Konzernen und Branchenorganisationen bemühten sich um die Zuweisung von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen, während SS- und Staatsunternehmen von deren Arbeit profitierten. Die Profile unterscheiden Managemententscheidungen von den Handlungen einzelner Betriebsleiter und von den zentralen Befugnissen des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz.

1939–1945

Umsiedlung und treuhänderische Übernahme von Vermögen

Der Umsiedlungsapparat verband Vertreibung mit rassischer Begutachtung, der Bindung von Arbeitskräften und der treuhänderischen Übernahme von Vermögen. Gründung und Tätigkeit der Deutschen Umsiedlungs-Treuhand zeigen eine wirtschaftliche Stufe der Germanisierungspolitik, die von der Durchführung der Vertreibung selbst zu unterscheiden ist.

Achte Welle — Systeme der Besatzung und Verfolgung in den polnischen Gebieten und in Europa

Sechzehn Ereignisse verbinden regionale Glieder des Apparats in den besetzten polnischen Gebieten mit administrativen, polizeilichen, militärischen, medizinischen, juristischen und wirtschaftlichen Verfolgungsmechanismen im besetzten Europa. Jedes Ereignis unterscheidet Entscheidungen, institutionelle Weitergabe und Ausführung vor Ort und wahrt dabei die Quellengrenzen der betreffenden Profile.

1939–1943

Poznań: Die UWZ überführt nationale Selektion in Vertreibung

Die Umwandererzentralstelle in Poznań verband die Erfassung der Bevölkerung, nationale Selektion, die Vertreibung von Polen und Juden sowie die Vorbereitung von Raum für deutsche Ansiedlung. Das Ereignis zeigt die regionale Dienststelle als Vermittler zwischen der Bevölkerungspolitik der SS und Listen, Transporten sowie Entscheidungen über konkrete Gruppen; es schreibt ihrem Leiter nicht die gesamte Besatzungspolitik des Warthelands zu.

1939–1945

Sonderkommando Künsberg: Raub von Archiven und Kulturgut

Das Sonderkommando Künsberg arbeitete an der Schnittstelle von Auswärtigem Amt, Wehrmacht und Nachrichtendienst: Es suchte und ‚sicherte‘, wie es in der Sprache der Täter hieß, Archive, Dokumentation, Buchbestände und Kulturgüter im besetzten Europa und transportierte sie ab. Das Ereignis unterscheidet die schriftliche Bezeichnung von Zielkategorien von der Ausführung durch die Abteilungen; jedes Objekt erfordert weiterhin eine gesonderte Provenienzanalyse.

1939–1945

Reichsausschuss: Formulare und Kinderfachabteilungen als Entscheidungskette

Der Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden organisierte Meldungen über Kinder, den Umlauf der Formulare, die Gutachten und die Einweisung in besondere Abteilungen. Das Ereignis rückt die Kanzleiarbeit als Voraussetzung für das Funktionieren des Programms in den Vordergrund, setzt administrative Koordination aber weder mit der Unterschrift eines Arztes noch mit der Ausführung einer Tötung in einer Anstalt gleich.

1940–1945

T4 und Aktion 14f13: medizinische Leitung und reisende Selektion

Das T4-Programm verband die zentrale Bewertung von Meldebögen und Entscheidungen der medizinischen Leitung mit reisenden Kommissionen; die Aktion 14f13 weitete die Selektion auf Häftlinge von Konzentrationslagern aus. Die gemeinsame Betrachtung Nitsches und Menneckes trennt Konzeption und Aufrechterhaltung der Tötung durch Medikamente und Hunger von der Arbeit eines Gutachters, der Menschen auswählte; sie erzeugt keine persönliche Gesamtzahl der Opfer beider Programme.

1940–1944

Westeuropa: militärische Verwaltung von Zwang und Vergeltung

Die deutschen Militärverwaltungen in den Niederlanden, Belgien und Nordfrankreich nutzten Geiselerlasse, Arbeitspflicht, Deportation und kollektive Vergeltung. Die beiden Profile zeigen verschiedene Ebenen: eine normsetzende Besatzungsverwaltung und einen Repressalienbefehl gegen einen Ort; sie übertragen den Befehlshabern nicht jede Handlung der Wehrmacht, Polizei oder von Sipo und SD vor Ort.

1941–1945

IG Auschwitz: industrielle Investition und Häftlingsarbeit

Das Vorhaben IG Auschwitz verband Entscheidungen des Konzernvorstands, Verhandlungen mit der SS, den Bau der Buna-Werke in Monowitz, Bergwerke und die Beschaffung von Häftlingsarbeit. Das Ereignis benennt Bütefischs individuelle Gespräche und Besprechungen sowie die Grenze seiner Verurteilung wegen Sklavenarbeit; es schreibt ihm weder jede Handlung der IG-Farben-Werke noch Anklagepunkte zu, die mit einem Freispruch endeten.

1941–1942

Einsatzgruppe D: Hinrichtungsberichte und Verbindung zur Armee

Der Stab der Einsatzgruppe D verwandelte Massenhinrichtungen in Zahlen, die in Berichten an das RSHA übermittelt wurden, verbreitete Befehle und unterhielt eine Arbeitsverbindung zur 11. Armee. Das Ereignis zeigt die Berichterstattung als Werkzeug zur Steuerung des Verbrechens; Unterschrift und Informationsweitergabe sind kein automatischer Beweis für die Anwesenheit bei jeder Erschießung.

1941–1942

Sajmište–Jajinci: die wiederkehrende Route des Gaswagens

Im Lager Sajmište bildeten die Kommandantur, die Fahrer des Gaswagens, die Eskorte und der Begräbnisort in Jajinci eine wiederkehrende Tötungskette. Andorfers Rolle umfasste die regelmäßige Überwachung der Route und seine Funktion als Kommandant; das Nachkriegsurteil betraf jedoch diesen Komplex und nicht automatisch die späteren Tätigkeiten des Sonderkommandos Andorfer in Italien.

1941–1943

Warschau: vom regionalen Kommando zum Terror vor Ort

Die Deportationen und die Auflösung des Warschauer Ghettos verbanden das regionale Kommando des SSPF, Angehörige des Judenreferats sowie Patrouillen, Hinrichtungen und Kontrollen vor Ort. Das Ereignis führt Sammern-Frankenegg, Blösche und Klaustermeyer zusammen, um Befehlsweitergabe und Leitung einer Aktion von den Taten der Ausführenden zu unterscheiden; ein Foto, ein Amt oder bloße Anwesenheit erweitern nicht den Umfang der erwiesenen Taten.

1941–1943

Lemberg und Bóbrka: das Judenreferat bei Auflösungsaktionen

Das Judenreferat des KdS Lemberg verband die spezialisierte antijüdische Polizeiarbeit mit Aktionen in der Stadt und in den Ghettos des Distrikts. Das Ereignis zeigt Engels’ Leitung einer öffentlichen Hinrichtung und einer zur Auflösung des Ghettos in Bóbrka entsandten Einheit; die dienstliche Unterstellung bedeutet weder, dass er jede Tötung persönlich ausführte, noch Verantwortung für die gesamte Opferbilanz des Distrikts Galizien.

1938–1942

Auswärtiges Amt: Umlauf der Zustimmung zur Deportation aus Frankreich

Das Auswärtige Amt war am Umlauf von Noten, Abstimmungen und Zustimmungen beteiligt, die für die Deportation von Juden aus dem besetzten Europa benötigt wurden. Die Note vom März 1942 individualisiert Woermanns Abzeichnung, mit der das Amt keine Einwände gegen die Deportation von 6.000 Menschen aus Frankreich erhob; sie macht ihn weder zum Urheber der gesamten Ministeriumspolitik noch beweist sie Kenntnis jeder späteren Stufe der Vernichtung.

1942–1944

Julags und Zwangsarbeitslager: Arbeit, Kommandantenterror und Auflösung

Die Zwangsarbeitslager für Juden in Kraków, Tarnów, Rozwadów und Przemyśl verbanden die Ausbeutung von Arbeitskraft, alltäglichen Terror, Hinrichtungen und abschließende Deportationen. Die drei Kommandantenprofile erlauben den Vergleich eigener Tötungen, erteilter Befehle und der Beihilfe bei einer Auflösung; dabei bleibt der Umfang der konkreten Urteile gewahrt, statt einer Person alle Verbrechen eines Lagers oder einer Stadt zuzuweisen.

1942–1943

VoMi: Kinderlisten, Vertreibung und Siedlungsplan

Die Volksdeutsche Mittelstelle überführte die SS-Bevölkerungspolitik in Listen von Kindern, die von ihren Eltern getrennt worden waren, in Siedlungsprojekte, Vertreibungen und die Kontrolle der Fortpflanzung von Zwangsarbeiterinnen. Brückners Dokumente zeigen Unterschrift, Paraphe und Weiterleitung eines Plans als persönliche Glieder der Verwaltungskette; das Profil bleibt auf die vom Tribunal festgestellten Mechanismen begrenzt und erstreckt sich nicht auf alle Tätigkeiten der VoMi.

1942–1944

Regionale SS und Polizei im besetzten Europa

Im besetzten Frankreich, in Dänemark und in Rom nutzten regionale Führungen von Gestapo, Sipo und SD sowie der HSSPF unterschiedliche Instrumente: Folter und Deportation, Auflösung der nationalen Polizei, Erpressung von Eigentum und Hinrichtung von Geiseln. Der Vergleich von Barbie, Pancke und Kappler trennt Planung, Genehmigung, Listenerstellung, Kommando und Ausführung; er verschmilzt verschiedene Rechtsräume nicht zu einer gemeinsamen Tat.

1942–1945

Volksgerichtshof: kollegiale Verhängung von Todesurteilen

Der Erste Senat des Volksgerichtshofs nutzte das formelle Urteil als Instrument politischer Repression, während die Unterschrift eines beisitzenden Richters seine Mitwirkung an der kollegialen Entscheidung bezeichnete. Rehses Fall zeigt zugleich die Nachkriegsabfolge von Verurteilung, Aufhebung und Freispruch; 231 unterzeichnete Urteile dürfen weder als 231 allein getroffene Entscheidungen noch als Umfang einer rechtskräftigen Verurteilung beschrieben werden.

1943–1944

Kreta und Italien: Vergeltung der Wehrmacht und Waffen-SS gegen Zivilisten

Auf Kreta und in Italien überführten Befehle der Wehrmacht und Operationen einer Waffen-SS-Abteilung die Sprache der Vergeltung und Partisanenbekämpfung in die Zerstörung von Orten und die Tötung von Zivilisten. Die Profile Müllers und Reders unterscheiden den schriftlichen Befehl eines territorialen Befehlshabers von der Führung einer mobilen Einheit; jedes Profil bewahrt nur die durch ein Dokument oder Urteil individualisierten Episoden.