Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Hans Lammers

im Ministerienprozess verurteilt; vorzeitig entlassen und 1962 gestorben 1879–1962

Hans Lammers war Leiter der Reichskanzlei und Hitlers ranghöchster juristisch-administrativer Vermittler. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (zentrale Regierungsverwaltung des Deutschen Reiches) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

AngriffskriegKriegsverbrechenVerbrechen gegen die MenschlichkeitShoahWeitere GenozideZwangsarbeit

Gesicherte Befunde

  • Lammers leitete die Reichskanzlei seit 1933 und erhielt im November 1937 Ministerrang.
  • Seine Behörde leitete Gesetzesentwürfe, Verordnungen und ministerielle Vorlagen an Hitler weiter und übermittelte Entscheidungen, als die Kabinettsregierung nicht mehr normal arbeitete.
  • Er wirkte an Maßnahmen mit, die Jüdinnen und Juden Rechte und Eigentum nahmen, indem er sie entwarf oder gegenzeichnete, und lieferte rechtliche Formen für die Verfolgung in besetzten Gebieten.

Stellung in der Verantwortungskette

Lammers übte Macht durch Auswahl, rechtliche Ausformulierung und Weiterleitung im Zentrum der Regierung aus. Das Profil behandelt nicht jede durch die Kanzlei geleitete Verordnung als seine ursprüngliche Politik.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Ernennung zum Leiter der Reichskanzlei, 1933
  • Ernennung zum Reichsminister, 26. November 1937
  • Urteil im Ministerienprozess, April 1949
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Ein amerikanisches Militärtribunal verurteilte Lammers im Ministerienprozess 1949 zu zwanzig Jahren Haft. Die Strafe wurde auf zehn Jahre reduziert; nach Anrechnung der seit seiner Festnahme 1945 verbrachten Zeit wurde er im Dezember 1951 entlassen. Er starb 1962.

Grenzen der Quellenlage

Das Profil benennt dokumentierte Funktionen der Kanzlei und Rechtsakte und wahrt zugleich die gesonderte Verantwortung Hitlers, der initiierenden Ministerien sowie der ausführenden Polizei- und Besatzungsorgane.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.