VI Kreis VI von VII

Träger von Krieg und Besatzung

Minister, Offiziere, Richter, Verwaltungsbeamte und Industriemanager, deren Gesetze, Ressourcen und berufliche Entscheidungen die verbrecherische Politik ermöglichten.

Dieser Kreis untersucht die administrativen, militärischen, juristischen, wirtschaftlichen und logistischen Systeme, die Besatzung und Verfolgung trugen. Die Aufnahme beruht auf dokumentierter Handlungsmacht, nicht allein auf Amt oder Berufsbezeichnung.

Wie die Kreise funktionieren. Die sieben Kreise ordnen die dokumentierte Stellung einer Person in der Kette von Entscheidung, Koordination, Verwaltung und Ausführung ein. Sie bilden weder Leid, Bekanntheit noch Opferzahlen ab. Die Einordnung beruht auf Funktion, formaler Befugnis, Entscheidungsmacht, operativer Kontrolle und nachgewiesenem individuellem Handeln. Rollen konnten sich überschneiden und im Laufe der Zeit verändern; jedes Profil erläutert deshalb die Belege und die Grenzen der Zuschreibung.

68 Profile

Die Profile sind alphabetisch nach Nachnamen geordnet. Die Einordnung folgt dokumentierter Funktion und Handlungsmacht, niemals einer Rangfolge nach Opferzahlen.

Kreis VI von VII

Gustav Abb

Leiter der Hauptverwaltung der Bibliotheken im Generalgouvernement

1945 getötet; nie vor Gericht gestellt

Kreis VI von VII

Otto Ambros

Vorstandsmitglied der IG Farben, zuständig für Buna/Monowitz und Programme zur Herstellung chemischer Kampfstoffe

im IG-Farben-Prozess zu acht Jahren Haft verurteilt; 1951 entlassen

Kreis VI von VII

Walter Andreas Hofer

wichtigster Kunstberater und Kunstagent Hermann Görings, der Erwerb, Beschlagnahme und Tausch geraubter Kunstwerke organisierte

in Frankreich in Abwesenheit zu zehn Jahren verurteilt; Strafe nicht verbüßt

Kreis VI von VII

Heinz Auerswald

Kommissar für den jüdischen Wohnbezirk in Warschau

ermittelt, aber nie vor Gericht gestellt; 1970 gestorben

Kreis VI von VII

Franz Böhme

Bevollmächtigter Kommandierender General im besetzten Serbien im Herbst 1941

im Geiselmordprozess angeklagt, aber 1947 vor Prozessbeginn durch Suizid gestorben

Kreis VI von VII

Heinrich Bütefisch

Vorstandsmitglied der IG Farben, zuständig für die Werke Auschwitz-Monowitz und Bergbauvorhaben, bei denen Häftlinge eingesetzt wurden

wegen Sklavenarbeit zu sechs Jahren Haft verurteilt; 1951 entlassen

Kreis VI von VII

Walter Caspar Többens

deutscher Unternehmer, der Zwangsarbeit im Warschauer Ghetto und in Poniatowa ausbeutete

nach dem Krieg verurteilt, später als „Mitläufer“ eingestuft; 1954 gestorben

Kreis VI von VII

Friedrich Christiansen

Wehrmachtbefehlshaber in den besetzten Niederlanden

1948 zu zwölf Jahren Haft verurteilt; nach Erlass der Reststrafe entlassen

Kreis VI von VII

Friedrich Class

Leiter der Gdynia-Außenstelle des Einsatzkommandos 16 und der Gestapo

im Dezember 1945 ohne Prozess gestorben

Kreis VI von VII

Max Daume

Offizier der Ordnungspolizei in Warschau mit Verantwortung für Repressalien und Geiselerschießungen

zum Tode verurteilt und 1947 hingerichtet

Kreis VI von VII

Karl Dönitz

Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und Hitlers Nachfolger als Staatsoberhaupt

in Nürnberg verurteilt; verbüßte zehn Jahre Haft und starb 1980

Kreis VI von VII

Walther Dürrfeld

technischer Direktor und Bauleiter der IG-Farben-Werke in Auschwitz-Monowitz

im IG-Farben-Prozess zu acht Jahren Haft verurteilt; 1951 vorzeitig entlassen

Kreis VI von VII

Kurt Eimann

Befehlshaber des SS-Wachsturmbanns Eimann bei Erschießungen in Pommern

in Westdeutschland zu vier Jahren Haft verurteilt und etwa zwei Jahre in Haft

Kreis VI von VII

Karl Essig

Leiter der Dienststelle von Sicherheitspolizei und SD in Kielce

in Westdeutschland in Verfahren zu Verbrechen in Kielce vor Gericht gestellt und in einem Verfahren freigesprochen; keine umfassende Aufarbeitung

Kreis VI von VII

Friedrich Flick

Eigentümer und maßgeblicher Leiter des Flick-Konzerns, eines der wichtigsten Schwerindustrie- und Rüstungskomplexe des Reiches

zu 7 Jahren verurteilt; 1950 vorzeitig entlassen

Kreis VI von VII

Roland Freisler

Präsident des Volksgerichtshofs und führender Gestalter des nationalsozialistischen Justizterrors

im Februar 1945 bei einem Luftangriff getötet und nie vor Gericht gestellt

Kreis VI von VII

Wilhelm Frick

Reichsminister des Innern und später Reichsprotektor in Böhmen und Mähren

in Nürnberg verurteilt und 1946 hingerichtet

Kreis VI von VII

Erich Fuchs

Techniker der „Aktion T4“ und der „Aktion Reinhardt“, verbunden mit dem Einbau von Vergasungsanlagen

1966 in Hagen zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt; 1980 gestorben

Kreis VI von VII

Günter Fuchs

Leiter des für Judenangelegenheiten zuständigen Referats II B der Gestapo in Łódź

1963 zu lebenslanger Haft verurteilt

Kreis VI von VII

Walther Funk

Reichswirtschaftsminister und Präsident der Reichsbank

zu lebenslanger Haft verurteilt; 1957 entlassen und 1960 gestorben

Kreis VI von VII

Fritz Gustav Friedel

Leiter des Judenreferats der Gestapo in Białystok

zum Tode verurteilt; 1952 hingerichtet

Kreis VI von VII

Hellmuth Holland

Leiter der Deutschen Staatsanwaltschaft in Petrikau und Ankläger vor dem Sondergericht Petrikau

in Polen zweimal verurteilt; Gesamtstrafe von 8 Jahren; nach der Entlassung in der Justiz der Bundesrepublik tätig

Kreis VI von VII

Alfred Jodl

Chef des Wehrmachtführungsstabs des Oberkommandos der Wehrmacht

in Nürnberg verurteilt und 1946 hingerichtet

Kreis VI von VII

Günther Joël

Referent des Reichsjustizministeriums für Strafsachen, später Generalstaatsanwalt in Hamm

zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt; 1951 entlassen

Kreis VI von VII

Werner Kampe

Kreisleiter der NSDAP und Stadtkommissar, später Oberbürgermeister des besetzten Bydgoszcz

nach dem Krieg Gegenstand von Ermittlungen; keine rechtskräftige Verurteilung in den genutzten Quellen feststellbar

Kreis VI von VII

Wilhelm Keitel

Chef des Oberkommandos der Wehrmacht

in Nürnberg verurteilt und 1946 hingerichtet

Kreis VI von VII

Franz Konrad

Leiter des Apparats zur Werterfassung und Beschlagnahme im Warschauer Ghetto

1952 hingerichtet

Kreis VI von VII

Carl Krauch

Vorsitzender des Aufsichtsrats der IG Farben und Generalbevollmächtigter für Sonderfragen der chemischen Erzeugung im Vierjahresplan

im IG-Farben-Prozess zu sechs Jahren Haft verurteilt; 1950 vorzeitig entlassen

Kreis VI von VII

Alfried Krupp

ab 1943 Alleineigentümer und Leiter des Krupp-Konzerns

im Krupp-Prozess zu zwölf Jahren Haft verurteilt; 1951 entlassen und sein Eigentum zurückerhalten

Kreis VI von VII

Hans Lammers

Leiter der Reichskanzlei und Hitlers ranghöchster juristisch-administrativer Vermittler

im Ministerienprozess verurteilt; vorzeitig entlassen und 1962 gestorben

Kreis VI von VII

Ernst Lautz

Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof in Berlin

zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt; 1951 entlassen

Kreis VI von VII

Rudolf Lehmann

Chef der Rechtsabteilung des OKW und Generaloberstabsrichter, Mitgestalter der rechtlichen Rahmenbedingungen des Kriegsterrors

zu sieben Jahren Haft verurteilt; 1950 vorzeitig entlassen

Kreis VI von VII

Wilhelm List

Oberbefehlshaber der 12. Armee und Wehrmachtbefehlshaber Südost während der Besetzung Jugoslawiens und Griechenlands

1948 zu lebenslanger Haft verurteilt; im Dezember 1952 vorzeitig entlassen

Kreis VI von VII

Jakob Lölgen

Führer des Teilkommandos Bydgoszcz des Einsatzkommandos 16

1966 freigesprochen

Kreis VI von VII

Waldemar Macholl

Grenzpolizeikommissar in Suwałki, anschließend Leiter des Referats IV A-3 der Gestapo in Białystok zur Bekämpfung des Widerstands

in Polen zum Tode verurteilt; am 15. Juli 1949 hingerichtet

Kreis VI von VII

Erich von Manstein

Generalfeldmarschall; Befehlshaber der 11. Armee und späterer Befehlshaber von Heeresgruppen an der Ostfront

1949 von einem britischen Militärgericht verurteilt; 1953 vorzeitig entlassen

Kreis VI von VII

Gerulf Mayer

Kommandeur der Gendarmerie-Hauptmannschaft Kielce

1969 in Graz wegen Morden und Beteiligung an der Pazifizierung von Skałka Polska zu elf Jahren Haft verurteilt

Kreis VI von VII

Bruno Müller

Befehlshaber des Einsatzkommandos 2/I sowie Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD in Krakau

nach dem Krieg interniert und verhört, jedoch wegen der Sonderaktion Krakau nicht verurteilt

Kreis VI von VII

Friedrich-Wilhelm Müller

Kommandeur der 22. Infanterie-Division und Kommandant der Festung Kreta

in Griechenland zum Tode verurteilt; am 20. Mai 1947 erschossen

Kreis VI von VII

Horst Neubauer

Richter des deutschen Sondergerichts in Łódź

nach dem Krieg wegen seiner Urteile im besetzten Łódź nicht verurteilt

Kreis VI von VII

Johann Niemann

stellvertretender Kommandant des deutschen Vernichtungslagers Sobibór

1943 während des Aufstands der Gefangenen in Sobibór getötet

Kreis VI von VII

Helmut Ortwin Pohl

Offizier im Stab Odilo Globocniks, der in der ersten Hälfte des Jahres 1942 an Deportationen und Umsiedlungen im Distrikt Lublin beteiligt war

angeklagt; Prozess unterbrochen und ohne Urteil eingestellt

Kreis VI von VII

Peter Paulsen

SS-Archäologe und Befehlshaber des Sonderkommandos Paulsen

für die Tätigkeit des Sonderkommandos Paulsen nicht verurteilt und setzte nach dem Krieg eine akademische Laufbahn fort

Kreis VI von VII

Gerhard Pchalek

Staatsanwalt bei den Sondergerichten Bielitz und Kattowitz sowie bei der Generalstaatsanwaltschaft am Oberlandesgericht Kattowitz

in der DDR zu 4 Jahren verurteilt; 1962 bedingt entlassen

Kreis VI von VII

Walter Pelzhausen

Kommandant des Polizeigefängnisses Radogoszcz in Łódź

1948 hingerichtet

Kreis VI von VII

Paul Pleiger

Vorstandsvorsitzender der Reichswerke Hermann Göring und Leiter der Kohlenwirtschaft, der Zuteilungen von Zwangsarbeitskräften und Gemeinschaftsprojekte mit der SS nutzte

zu 15 Jahren verurteilt; auf zehn Jahre herabgesetzt; 1951 entlassen

Kreis VI von VII

Emil Puhl

Vizepräsident der Reichsbank, zuständig für die Umsetzung von Absprachen mit der SS über geraubte Werte

in Nürnberg zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt; 1962 gestorben

Kreis VI von VII

Karl Rasche

Vorstandsmitglied der Dresdner Bank, verantwortlich für die Expansion der Bank, die Finanzierung von SS-Unternehmen und die Übernahme von Vermögenswerten im besetzten Europa

zu sieben Jahren verurteilt; 1950 entlassen

Kreis VI von VII

Hans-Joachim Rehse

Richter im Ersten Senat des Volksgerichtshofs, der unter dem Vorsitz Roland Freislers an repressiven Todesurteilen mitwirkte

Urteil von fünf Jahren aufgehoben; im erneuten Verfahren freigesprochen; Revisionsverfahren nach seinem Tod beendet

Kreis VI von VII

Walter von Reichenau

Oberbefehlshaber der 6. Armee und Urheber des verbrecherischen Schärfebefehls

im Januar 1942 im aktiven Dienst gestorben und nie vor Gericht gestellt

Kreis VI von VII

Hermann Reinecke

Chef des Allgemeinen Wehrmachtamts im OKW, verantwortlich für zentrale Richtlinien zu Kriegsgefangenen

1948 zu lebenslanger Haft verurteilt; im Oktober 1954 vorzeitig entlassen

Kreis VI von VII

Georg-Hans Reinhardt

Befehlshaber der 3. Panzergruppe, anschließend der 3. Panzerarmee, und mit der Führung der Heeresgruppe Mitte beauftragt

zu 15 Jahren Haft verurteilt; 1952 entlassen

Kreis VI von VII

Wilhelm Rosenbaum

Kommandant der Schule der Sicherheitspolizei und des SD in Rabka

zu lebenslanger Haft verurteilt; später bedingt entlassen

Kreis VI von VII

Oswald Rothaug

Vorsitzender Richter am Sondergericht Nürnberg und später Reichsanwalt beim Volksgerichtshof

im Juristenprozess zu lebenslanger Haft verurteilt; 1956 entlassen

Kreis VI von VII

Franz Schlegelberger

Staatssekretär und kommissarischer Reichsjustizminister

lebenslange Freiheitsstrafe; 1951 entlassen

Kreis VI von VII

Alfred Spilker

Kommandeur des Sonderkommandos Spilker in Warschau

1945 gestorben; nicht vor Gericht gestellt

Kreis VI von VII

Bruno Tesch

Mitinhaber und Geschäftsführer eines Hauptvertreibers von Zyklon B

im britischen Zyklon-B-Verfahren von einem Militärgericht verurteilt und 1946 hingerichtet

Kreis VI von VII

Otto Georg Thierack

Reichsminister der Justiz und ehemaliger Präsident des Volksgerichtshofs

nicht vor Gericht gestellt; 1946 in alliierter Haft durch Suizid gestorben

Kreis VI von VII

Werner Ventzki

Oberbürgermeister des besetzten Łódź und Beamter der Verwaltung des Reichsgaus Wartheland

nie vor Gericht gestellt; setzte seine Verwaltungslaufbahn in der Bundesrepublik Deutschland fort

Kreis VI von VII

Joachim von Ribbentrop

Reichsaußenminister und diplomatischer Akteur deutscher Expansion

in Nürnberg verurteilt und 1946 hingerichtet

Kreis VI von VII

Karl von Roques

Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebiets der Heeresgruppe Süd, anschließend des rückwärtigen Heeresgebiets der Heeresgruppe A

zu 20 Jahren Haft verurteilt; 1949 während der Strafverbüßung gestorben

Kreis VI von VII

Max von Schenckendorff

Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebiets der Heeresgruppe Mitte und Organisator der Antipartisanenkonferenz in Mogilew

1943 gestorben; nicht vor Gericht gestellt

Kreis VI von VII

Baldur von Schirach

Reichsjugendführer sowie später Gauleiter und Reichsstatthalter von Wien

in Nürnberg verurteilt; verbüßte zwanzig Jahre Haft und starb 1974

Kreis VI von VII

Walter Warlimont

Chef der Abteilung Landesverteidigung und stellvertretender Chef des Wehrmachtführungsstabs im OKW

zu lebenslanger Haft verurteilt; auf 18 Jahre herabgesetzt; 1954 entlassen

Kreis VI von VII

Erwin Wester

Vorsitzender Richter des deutschen Sondergerichts in Stanislau

an Polen ausgeliefert und angeklagt, aber im Juli 1948 vor Prozessbeginn im Gefängnis gestorben

Kreis VI von VII

Georg Wippern

Leiter der SS-Standortverwaltung Lublin, zuständig für Erfassung und Transfer geraubten Eigentums

in den genutzten Quellen keine Verurteilung feststellbar; 1993 gestorben

Kreis VI von VII

Ernst Woermann

Leiter der Politischen Abteilung und Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, beteiligt an der administrativen Genehmigung der Deportation von Juden aus Frankreich

letztlich unter Anklagepunkt 5 zu fünf Jahren verurteilt; 1950 entlassen

Kreis VI von VII

Hermann Worthoff

Leiter des Judenreferats der Gestapo in Lublin und Führer eines Liquidierungskommandos

1975 zu acht Jahren Haft verurteilt