Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Walter Warlimont
Walter Warlimont war Chef der Abteilung Landesverteidigung und stellvertretender Chef des Wehrmachtführungsstabs im OKW. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Berlin · Führerhauptquartier · dem OKW unterstehende europäische Kriegsschauplätze) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Von November 1938 bis September 1944 leitete er die Abteilung Landesverteidigung im Wehrmachtführungsstab; seit 1942 war er stellvertretender Chef dieses Stabes.
- Das Tribunal stellte seinen wesentlichen Anteil an der Vorbereitung des Kommissarbefehls fest: Er wirkte an dessen Inhalt mit und versandte das Dokument ‚im Auftrag‘ unter eigener Unterschrift.
- Warlimont unterstützte die Aufhebung der militärgerichtlichen Zuständigkeit im Kriegsgerichtsbarkeitserlass ‚Barbarossa‘ und leistete trotz Kenntnis seines rechtswidrigen Charakters einen wesentlichen Beitrag zur Vorbereitung des Kommandobefehls.
- Das Urteil schrieb ihm aktive Beteiligung an dem Plan zu, alliierte Flieger zu lynchen oder dem SD zu übergeben, sowie an Vorschlägen zur Gewinnung von Zwangsarbeitskräften bei Partisanenbekämpfung und Räumungen; Dokumente zeigten, dass die Vorschläge umgesetzt wurden.
Stellung in der Verantwortungskette
Warlimont zeigt den Stab als wirksame Stufe zwischen ideologischer Absicht, Textredaktion, Unterschrift, Verteilung und Ausführung eines Befehls. Das Profil stellt ihn nicht als Urheber jeder Idee Hitlers oder Keitels dar, sondern beschreibt präzise den Beitrag, den das Tribunal als wesentlich bewertete.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Übernahme der Abteilung Landesverteidigung im November 1938
- Arbeiten am Kommissarbefehl und am Kriegsgerichtsbarkeitserlass ‚Barbarossa‘ im Jahr 1941
- Beteiligung an der Vorbereitung des Kommandobefehls im Oktober 1942
- Verurteilung zu lebenslanger Haft im Oktober 1948
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Im Prozess gegen das Oberkommando der Wehrmacht wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Strafe wurde später auf achtzehn Jahre herabgesetzt; das Archiv Northern Ireland Screen vermerkt seine Entlassung im Jahr 1954. Er starb 1976.
Grenzen der Quellenlage
Das Tribunal stellte weder eine strafrechtlich relevante Verbindung Warlimonts zum Nacht-und-Nebel-Programm noch zum allgemeinen Verfolgungs- und Hinrichtungsprogramm der Einsatzgruppen gegen Juden fest. Auch wurde er nicht für jede Kategorie verbotener Arbeit verantwortlich gemacht. Das Profil muss zwischen dem Initiator einer Idee, dem Mitgestalter eines Stabstextes und dem Ausführenden vor Ort unterscheiden.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.