Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Walter von Reichenau

im Januar 1942 im aktiven Dienst gestorben und nie vor Gericht gestellt 1884–1942

Walter von Reichenau war Oberbefehlshaber der 6. Armee und Urheber des verbrecherischen Schärfebefehls. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (besetzte Ukraine und Ostfront) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

KriegsverbrechenVerbrechen gegen die MenschlichkeitShoah

Gesicherte Befunde

  • Reichenau befehligte beim Überfall auf Polen die 10. Armee und beim Überfall auf die Sowjetunion 1941 die 6. Armee.
  • Sein Befehl vom 10. Oktober 1941 billigte ideologisch Gewalt gegen Jüdinnen und Juden und verband den Krieg der Armee mit der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik.
  • Einheiten und Behörden im Operationsgebiet der 6. Armee arbeiteten mit der Einsatzgruppe C zusammen, auch im Umfeld des Massenmords von Babyn Jar.

Stellung in der Verantwortungskette

Reichenaus Verantwortung beruht auf Befehlsentscheidungen, logistischer Zusammenarbeit und einem ausdrücklichen Befehl, der die Beteiligung der Armee an Verfolgung förderte. Dies bedeutet nicht, dass er jedes Verbrechen im Bereich der 6. Armee persönlich ausführte oder ohne Unterscheidung zugerechnet werden kann.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • 1939 befehligte er beim deutschen Angriff auf Polen die 10. Armee.
  • Am 10. Oktober 1941 erließ er für die 6. Armee in der Ukraine den Schärfebefehl.
  • Im Januar 1942 erlitt er einen Schlaganfall und starb während eines versuchten Krankentransports.
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Reichenau starb mehr als drei Jahre vor Kriegsende und wurde nie vor Gericht gestellt. Sein Befehl und die Zusammenarbeit der Armee mit den Mordkommandos wurden später als Belege für die Beteiligung der Wehrmacht an nationalsozialistischen Verbrechen herangezogen.

Grenzen der Quellenlage

Die Darstellungen unterscheiden sich darin, ob sein Tod auf den Schlaganfall oder auf Verletzungen beim Evakuierungsflug zurückging. Opferschätzungen für Verbrechen im Bereich der 6. Armee beschreiben überlappende Verantwortung von Militär-, SS-, Polizei- und Hilfsformationen.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.