Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Max von Schenckendorff
Max von Schenckendorff war Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebiets der Heeresgruppe Mitte und Organisator der Antipartisanenkonferenz in Mogilew. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Belarus · Mogilew · rückwärtiges Gebiet der Heeresgruppe Mitte) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Von 1941 bis zu seinem Tod im Jahr 1943 befehligte er das rückwärtige Heeresgebiet der Heeresgruppe Mitte, das einen beträchtlichen Teil des besetzten Belarus umfasste.
- Am 24. September 1941 berief er in Mogilew eine Konferenz für Befehlshaber der Wehrmacht sowie Vertreter von SS, Polizei und SD ein, die dem Erfahrungsaustausch im sogenannten Kampf gegen Partisanen dienen sollte.
- Bei einer Geländevorführung beobachteten die Konferenzteilnehmer eine Durchsuchung, bei der eine Gendarmeriekompanie, unterstützt von einem 16 Mann starken SD-Kommando, 13 jüdische Männer und 19 jüdische Frauen ermordete.
- Der Konferenzbericht wurde im gesamten Gebiet bis hinunter zur Kompanieebene verbreitet; Schenckendorff forderte darin ein rücksichtsloses und erbarmungsloses Vorgehen gegen Partisanen und Verdächtige.
Stellung in der Verantwortungskette
Die Konferenz von Mogilew zeigt, wie die Führung des rückwärtigen Gebiets die rassistische Gleichsetzung von Juden und Partisanen in eine gemeinsame Schulung von Wehrmacht, SS und SD, eine Geländevorführung und an untere Ebenen verbreitetes Material überführte. Das Profil macht aus dieser belegten Weitergabe der Doktrin keine automatische Zurechnung jeder späteren Hinrichtung an Schenckendorff.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Übernahme des Kommandos über das rückwärtige Heeresgebiet der Heeresgruppe Mitte im Jahr 1941
- Einberufung der Konferenz von Mogilew vom 24. bis 26. September 1941
- Verbreitung des Konferenzberichts bis zur Kompanieebene
- Tod im Jahr 1943 vor einer möglichen Nachkriegsahndung
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Er wurde nicht vor Gericht gestellt. Er starb 1943, vor Kriegsende und vor der Errichtung der Nachkriegstribunale.
Grenzen der Quellenlage
Die Quellen erlauben es, ihm die Einberufung der Konferenz, ihren Ton, die Verbreitung des Berichts und seine Befehlsgewalt über das Gebiet präzise zuzuordnen. Sie belegen jedoch weder seine persönliche Beteiligung an den Erschießungen während der Vorführung noch rechtfertigen sie eine Gesamtzahl sämtlicher Opfer der rückwärtigen Einheiten. Das Feld zur Todesursache bleibt leer, weil die für den Datensatz verwendeten institutionellen Quellen zwar das Jahr bestätigen, eine medizinische Ursache aber nicht einheitlich dokumentieren.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.