Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Jürgen Stroop
Jürgen Stroop war Befehlshaber der deutschen Kräfte, die das Warschauer Ghetto liquidierten. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Warschau und der Distrikt Warschau) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Stroop traf im April 1943 in Warschau ein und kommandierte bei der Liquidierung des Ghettos ungefähr 2.000 deutsche und Hilfskräfte.
- Er leitete die systematische Brandstiftung und Zerstörung von Gebäuden und dokumentierte die Operation in einem illustrierten Bericht, der seinen Namen trägt.
- Sein Bericht verzeichnete 56.065 gefasste oder getötete Menschen, anschließend folgten Deportationen nach Treblinka und in Lager des Distrikts Lublin.
Stellung in der Verantwortungskette
Stroop war der Befehlshaber vor Ort, der die Niederschlagung des Aufstands und die Liquidierung des Ghettos plante, anordnete und dokumentierte. Die Gesamtzahl in seinem Bericht verbindet unterschiedliche Ergebnisse und bedeutet nicht, dass jede Tötung oder Deportation seine persönliche Handlung war.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- die Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto vom 19. April bis 16. Mai 1943
- die Zerstörung der Großen Synagoge am 16. Mai 1943 und die anschließende Deportation der überlebenden Gefangenen
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Ein amerikanisches Militärgericht in Dachau verurteilte Stroop im März 1947 wegen der Hinrichtung gefangener US-Flieger zum Tode. Nach seiner Auslieferung an Polen wurde er in Warschau gemeinsam mit Franz Konrad vor Gericht gestellt, im Juli 1951 zum Tode verurteilt und am 6. März 1952 im Gefängnis Mokotów gehängt.
Grenzen der Quellenlage
Schätzungen der während der Liquidierung Getöteten oder Deportierten reichen von ungefähr 50.000 bis 70.000. Die Zahl 56.065 aus Stroops eigenem Bericht verbindet Getötete, Gefasste und Deportierte und darf nicht als unmittelbare persönliche Todesbilanz dargestellt werden.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.