Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Max Pauly

von einem britischen Militärgericht zum Tode verurteilt und am 8. Oktober 1946 hingerichtet 1907–1946

Max Pauly war Kommandant des KL Stutthof, anschließend des KL Neuengamme und seines Außenlagernetzes. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Stutthof · Danzig-Westpreußen · Hamburg · Neuengamme) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

KonzentrationslagerZwangsarbeitHinrichtungen

Gesicherte Befunde

  • Pauly leitete das KL Stutthof bis August 1942 und anschließend bis Kriegsende das KL Neuengamme mit seinem wachsenden Netz von Außenlagern.
  • In einer eidesstattlichen Aussage vom 3. Juli 1946 beschrieb er die verwaltungsmäßige Unterstellung von Verpflegung, Arbeit, medizinischer Versorgung und Hinrichtungen unter zentrale SS-Ämter; das Dokument ist eine Täterquelle und muss mit den Prozessbeweisen abgeglichen werden.
  • Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme dokumentiert, dass im Hauptprozess Hinrichtungen, die Vergasung sowjetischer Kriegsgefangener, medizinische Experimente und Gewalt gegen Häftlinge verhandelt wurden, für die die Kommandantur verantwortlich war.
  • Die Dokumentation zum Bullenhuser Damm stellt fest, dass Pauly dem Lagerarzt den Befehl zur Ermordung von 20 jüdischen Kindern weitergab, die für Experimente missbraucht worden waren.

Stellung in der Verantwortungskette

Pauly ermöglicht es, die Kommandantur als Knotenpunkt der Befehlsübermittlung zwischen WVHA/RSHA, Ärzten, Arbeitsverwaltung und Ausführenden zu beschreiben. Das Profil reduziert Verantwortung nicht auf den Kommandantentitel, sondern weist einen konkreten Befehlsweg und die in Neuengamme abgeurteilten Sachverhalte aus.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Leitung des KL Stutthof in den Jahren 1939–1942
  • Übernahme des KL Neuengamme und seines Außenlagernetzes im Jahr 1942
  • Weitergabe des Befehls zur Ermordung der Kinder vom Bullenhuser Damm im April 1945
  • Neuengamme-Hauptprozess vom 18. März bis 3. Mai 1946 und Hinrichtung am 8. Oktober 1946
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Das britische Militärgericht im Neuengamme-Hauptprozess sprach Pauly der Kriegsverbrechen schuldig und verurteilte ihn am 3. Mai 1946 zum Tode. Das Urteil wurde am 8. Oktober 1946 in Hameln durch den Strang vollstreckt.

Grenzen der Quellenlage

Der britische Prozess betraf die Verbrechen in Neuengamme und seinen Außenlagern, nicht die vollständige Bilanz seiner früheren Kommandantur in Stutthof. Paulys eigene Aussage hat Verteidigungscharakter. Das Profil schreibt ihm nicht automatisch jede Tat des Personals zu; es kennzeichnet den Kommandobereich und die dokumentierte Weitergabe des Befehls vom Bullenhuser Damm.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.