Mechanismus-Dossier
Regionale Sicherheitspolizei, Deportation und Haft
Wie regionale Sicherheitspolizei, Gestapo, Deportationsstäbe, Bahneskorten und Lagerstellen verbundene, aber getrennte Glieder der Repression bildeten.
Regionale Dienststellen der Sicherheitspolizei und des SD gliederten sich in Kommandos, Gestapoabteilungen, Fachreferate und unterstellte Außenstellen. Die Akten aus Białystok zeigen, warum diese Ebenen wichtig sind: Ein KdS, der Leiter der Abteilung IV und die für Judenangelegenheiten oder Widerstandsbekämpfung zuständigen Funktionäre beherrschten unterschiedliche Entscheidungen. Lothar Heimbachs Verurteilung beruht auf bestimmten Deportationen, einer Vergeltungshinrichtung und einem individuellen Befehl, nicht auf jeder Tat im Bezirk.
Personal und Praktiken wanderten zwischen Regionen. Karl Pütz führte Dienststellen in Riwne und Lublin; Gerhard Flesch wechselte von einem Einsatzkommando und der Gestapo Łódź zu Kommandos in Norwegen; Rudolf Batz diente bei mobilen Tötungsaktionen, in Kraków und Dortmund. Hans-Joachim Böhme zeigt, wie eine ständige Gestapostelle Personal und Kommandostruktur für ein mobiles Hinrichtungskommando im Grenzgebiet bereitstellen konnte. Jeder Übergang behält seine eigenen Daten, Dokumente und territorialen Grenzen.
Deportationen erforderten die Koordination über eine einzelne Polizeidienststelle hinaus. Martin Fellenz leitete die örtliche Durchführung von Deportationskomplexen, Helmut Ortwin Pohl erscheint in einem Dokument über den Weitertransport und die Arbeitsselektion eines bestimmten slowakischen Transports, und Paul Salitter führte eine Bahnbegleitung und verfasste ihren Bericht. Otto Hantke verband die Selektion im Ghetto mit Zwangsarbeit in Budzyn, während Kommandanten und Lagerpersonal in Stutthof, Neuengamme und Majdanek getrennte Positionen in Haft- und Tötungssystemen einnahmen.
Die Nachkriegsgeschichte reicht von vollstreckten Todesurteilen über begrenzte Freiheitsstrafen bis zu abgebrochenen Verfahren und dem Ausbleiben eines Prozesses. Gerichtliche Feststellungen individualisieren deshalb Taten, während Täterberichte und institutionelle Akten eine Logistik rekonstruieren, die ein Urteil nicht immer erreichte. Ein Freispruch in einem einzelnen Punkt, ein eingestelltes Verfahren oder der Tod eines Verdächtigen werden ausdrücklich benannt und nicht durch einen Kollektivvorwurf gegen eine Dienststelle ersetzt.
Die Kette
- 1regionales Kommando der Sicherheitspolizei oder des SS- und Polizeiführers
- 2Gestapoabteilung, Fachreferat oder Außenstelle
- 3Verhaftungsliste, Gefangenenprüfung, Selektion oder Deportationsanweisung
- 4Sammelstelle, Bahnbegleitung, Gefängnis oder Arbeitslager
- 5Transport, Zwangsarbeit, Hinrichtung oder Tötung im Lager
- 6Meldung, Beweisvernichtung, Ermittlung und Prozess oder Ausbleiben der Strafverfolgung
Profile in diesem Mechanismus
Kreis V
Wilhelm Altenloh
Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD (KdS) im Bezirk Białystok
in der Bundesrepublik verurteilt; 1985 gestorbenKreis VI
Fritz Gustav Friedel
Leiter des Judenreferats der Gestapo in Białystok
zum Tode verurteilt; 1952 hingerichtetKreis VI
Waldemar Macholl
Grenzpolizeikommissar in Suwałki, anschließend Leiter des Referats IV A-3 der Gestapo in Białystok zur Bekämpfung des Widerstands
in Polen zum Tode verurteilt; am 15. Juli 1949 hingerichtetKreis V
Paul Werner Hoppe
Kommandant des Konzentrationslagers Stutthof von September 1942 bis Frühjahr 1945
in der Bundesrepublik rechtskräftig zu 9 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt; 1974 gestorbenKreis V
Karl Streibel
Kommandant des SS-Ausbildungslagers Trawniki
1976 in Hamburg freigesprochen; 1986 gestorbenKreis V
Lothar Heimbach
Leiter der Abteilung IV (Gestapo) beim KdS Białystok
zu neun Jahren verurteilt; nach Anrechnung von etwa vier Jahren Untersuchungshaft entlassen; 1968 gestorbenKreis V
Karl Pütz
Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Rowno, anschließend in Lublin
nicht vor Gericht gestellt; am 6. Mai 1945 Suizid begangenKreis V
Gerhard Flesch
Führer des Einsatzkommandos 2/VI und erster Leiter der Gestapo in Łódź, anschließend KdS in Bergen und Trondheim
in Norwegen zum Tode verurteilt und am 28. Februar 1948 erschossenKreis V
Rudolf Batz
Führer des Einsatzkommandos 2, anschließend KdS in Krakau und Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Dortmund
festgenommen und Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens; vor dem Prozess Suizid in HaftKreis V
Martin Fellenz
Stabschef des SS- und Polizeiführers im Distrikt Krakau, der die operative Durchführung von Deportationen vor Ort leitete
zu sieben Jahren verurteilt; nach Anrechnung von etwa fünf Jahren Untersuchungshaft entlassenKreis V
Max Pauly
Kommandant des KL Stutthof, anschließend des KL Neuengamme und seines Außenlagernetzes
von einem britischen Militärgericht zum Tode verurteilt und am 8. Oktober 1946 hingerichtetKreis VII
Otto Hantke
erster Kommandant des jüdischen Zwangsarbeitslagers Budzyń, anschließend Kommandant von Poniatowa
1974 zu lebenslanger Haft verurteilt; 1986 während einer Strafunterbrechung gestorbenKreis VII
Hermann Hackmann
erster Schutzhaftlagerführer des KL Lublin-Majdanek, zuvor Angehöriger der Kommandantur des KL Buchenwald
zweimal verurteilt; Todesstrafe in lebenslange Haft umgewandelt und 1955 entlassen; 1981 zu zehn Jahren verurteiltKreis V
Hans-Joachim Böhme
Leiter der Gestapo in Tilsit und Führer des Einsatzkommandos Tilsit
zu 15 Jahren verurteilt; kurz vor seinem Tod 1968 aus gesundheitlichen Gründen entlassenKreis VII
Paul Salitter
Hauptmann der Schutzpolizei und Führer des Begleitkommandos für den Deportationstransport Düsseldorf–Riga im Dezember 1941
nicht vor Gericht gestellt; aus dem Polizeidienst entfernt; 1972 gestorbenKreis VI
Helmut Ortwin Pohl
Offizier im Stab Odilo Globocniks, der in der ersten Hälfte des Jahres 1942 an Deportationen und Umsiedlungen im Distrikt Lublin beteiligt war
angeklagt; Prozess unterbrochen und ohne Urteil eingestelltEinstiegsquellen
Jedes verlinkte Profil nennt seine eigene Quellengrundlage und deren Grenzen. Diese Quellen führen in den Mechanismus als Ganzes ein.