Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Joseph Goebbels

nicht vor Gericht gestellt; 1945 durch Suizid gestorben 1897–1945

Joseph Goebbels war Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda und Gauleiter von Berlin. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Deutsches Reich mit politischer Autorität in Berlin) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

AngriffskriegKriegsverbrechenVerbrechen gegen die MenschlichkeitShoahWeitere GenozidePropaganda und Anstiftung

Gesicherte Befunde

  • Seit März 1933 übte Goebbels' Ministerium weitreichende Kontrolle über deutsche Presse, Rundfunk, Film, Theater und Literatur aus.
  • Er lenkte antisemitische Propaganda und Kampagnen, die Jüdinnen und Juden sowie andere Verfolgte entmenschlichten; seine Tagebücher belegen Wissen über und Zustimmung zum Holocaust.
  • Während des Krieges forderte er fortgesetzte Mobilisierung, hielt im Februar 1943 die Sportpalastrede zum totalen Krieg und wurde im Juli 1944 Generalbevollmächtigter für den totalen Krieg.

Stellung in der Verantwortungskette

Goebbels' Handlungsmacht lag in dauerhafter Aufwiegelung, Zensur und Mobilisierung, die Verfolgung und Krieg legitimieren halfen. Der Beitrag der Propaganda ist belegt, ohne ihn mit den Entscheidungen der Deportations-, Polizei- und Mordbehörden gleichzusetzen.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Ernennung zum Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, 13. März 1933
  • Sportpalastrede zum totalen Krieg in Berlin, 18. Februar 1943
  • Ernennung zum Generalbevollmächtigten für den totalen Krieg, Juli 1944
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Nach Hitlers Tod war Goebbels einen Tag lang Reichskanzler. Am 1. Mai 1945 ließen Joseph und Magda Goebbels ihre sechs Kinder vergiften und starben anschließend in Berlin durch Suizid; er stand daher nie vor Gericht.

Grenzen der Quellenlage

Das Profil dokumentiert Goebbels' eigenes Ministerium, öffentliche Aufwiegelung und festgehaltene Zustimmung zum Massenmord; es schreibt ihm nicht jedes von Menschen oder Behörden begangene Verbrechen zu, die von nationalsozialistischer Propaganda beeinflusst waren.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.