Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Karl Oberg

in Frankreich zum Tode verurteilt, später begnadigt und 1962 entlassen 1897–1965

Karl Oberg war Höherer SS- und Polizeiführer im besetzten Frankreich. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (besetztes Frankreich) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

KriegsverbrechenVerbrechen gegen die MenschlichkeitShoah

Gesicherte Befunde

  • Oberg wurde im Mai 1942 zur höchsten SS- und Polizeibehörde im besetzten Frankreich und unterstellte Gestapo und Sicherheitspolizei seinem Kommando.
  • Er handelte eine Zusammenarbeit mit Polizeifunktionären des Vichy-Regimes aus, die die Beteiligung französischer Polizei an Verhaftungen, Razzien und Deportationen ermöglichte.
  • Ein französisches Militärtribunal verurteilte ihn 1954 zum Tode, doch die Strafe wurde umgewandelt und er später begnadigt.

Stellung in der Verantwortungskette

Oberg leitete das deutsche Polizeisystem, das Deportationspolitik, Geiselerschießungen und die Unterdrückung des Widerstands mit der Kollaboration französischer Stellen verband. Seine Befehlsrolle hebt die eigenständige Handlungsfähigkeit seines Stellvertreters, lokaler Dienststellen oder des Vichy-Polizeipersonals nicht auf.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • die Razzia des Vél d’Hiv in Paris im Juli 1942, bei der mehr als 13.000 Jüdinnen und Juden verhaftet wurden
  • Deportationen aus Frankreich und Vergeltungsexekutionen von Geiseln unter dem SS- und Polizeiapparat
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

US-Truppen nahmen Oberg 1945 fest und überstellten ihn Frankreich. Im Oktober 1954 zum Tode verurteilt, erhielt er nacheinander Strafmilderungen und wurde von Präsident Charles de Gaulle begnadigt; am 28. November 1962 kam er frei und starb 1965.

Grenzen der Quellenlage

Quellen unterscheiden die Deportationen während Obergs Amtszeit von der größeren Gesamtzahl der während der gesamten Besatzung aus Frankreich Deportierten. Das Profil beschreibt daher Befehlsgewalt und ausgehandelte Kooperation, statt Oberg jede Handlung deutscher und französischer Polizeikräfte zuzuschreiben.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.