Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Arthur Greiser

in Polen verurteilt und 1946 hingerichtet 1897–1946

Arthur Greiser war Gauleiter und Reichsstatthalter des Warthegaus. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Reichsgau Wartheland im annektierten besetzten Polen) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

KriegsverbrechenVerbrechen gegen die MenschlichkeitShoahWeitere GenozideZwangsarbeit

Gesicherte Befunde

  • Ab Oktober 1939 vereinigte Greiser als Gauleiter und Reichsstatthalter des Warthegaus Partei- und Staatsgewalt.
  • Seine Verwaltung betrieb Massenvertreibung von Polinnen und Polen, Eigentumsentzug, Zwangsarbeit, die Zerstörung polnischer Institutionen und schwere Verfolgung der katholischen Kirche.
  • Greiser unterstützte die Entscheidung, als arbeitsunfähig eingestufte Jüdinnen und Juden zu ermorden; die Warthegauverwaltung beaufsichtigte zugleich das Ghetto Łódź und das mit der Tötungsstätte Kulmhof verbundene Deportationsverfahren.

Stellung in der Verantwortungskette

Greisers Amt stellte regionale Politik und zivil-administrative Macht für Germanisierung, Ausbeutung und Genozid bereit. Polizei, SS, Ghettoverwaltung und Personal von Kulmhof trugen gesonderte operative Verantwortung.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Ernennung zum Gauleiter und Reichsstatthalter des Warthegaus, Oktober 1939
  • Massenvertreibungen und Germanisierung annektierter polnischer Gebiete, 1939–1944
  • Eröffnung der Tötungsstätte Kulmhof, Dezember 1941
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

US-Streitkräfte nahmen Greiser gefangen und lieferten ihn an Polen aus. Das Oberste Nationale Tribunal in Poznań verurteilte ihn wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Beteiligung am Angriffskrieg; am 21. Juli 1946 wurde er öffentlich in der Zitadelle von Poznań gehängt.

Grenzen der Quellenlage

Das Profil unterscheidet Greisers regionale Befugnisse von den Rollen Heinrich Himmlers, Wilhelm Koppes und Herbert Langes und macht ihn nicht zum unmittelbaren Täter jedes Verbrechens im Warthegau.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.