Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Alfred Rosenberg
Alfred Rosenberg war führender Ideologe der NSDAP und Reichsminister für die besetzten Ostgebiete. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (besetztes Osteuropa, einschließlich Reichskommissariat Ostland und Reichskommissariat Ukraine) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Rosenberg formulierte und verbreitete nationalsozialistische rassistische und antibolschewistische Ideologie durch Parteipublikationen, Schulungen und sein Buch Der Mythus des 20. Jahrhunderts.
- 1940 errichtete er den Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg, der Kunst, Bibliotheken, Archive und jüdisches Eigentum im besetzten Europa systematisch beschlagnahmte.
- Als Minister ab Juli 1941 leitete er die Zivilverwaltung der besetzten Ostgebiete, die an wirtschaftlicher Ausbeutung, Zwangsarbeitsdeportationen und der Zusammenarbeit mit SS und Polizei bei der Verfolgung beteiligt war.
Stellung in der Verantwortungskette
Rosenberg verband ideologische Legitimation mit Ministerial- und Raubverwaltung. Zuständigkeitskonflikte mit SS und regionalen Kommissaren begrenzen Behauptungen unmittelbarer Kontrolle über einzelne Tötungen, heben seine belegte institutionelle Rolle jedoch nicht auf.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Gründung des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg, 1940
- Ernennung zum Reichsminister für die besetzten Ostgebiete, 17. Juli 1941
- Urteil des Internationalen Militärgerichtshofs, 1. Oktober 1946
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Der Internationale Militärgerichtshof verurteilte Rosenberg in allen vier Anklagepunkten, darunter wegen Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Am 1. Oktober wurde er zum Tode verurteilt und am 16. Oktober 1946 in Nürnberg gehängt.
Grenzen der Quellenlage
Das Profil trennt Rosenbergs eigene Ideologie, sein Ministerium und seinen Raubstab von Verbrechen, die SS, Polizei und regionale Besatzungsbehörden unabhängig anordneten.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.