Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Hans Frank

in Nürnberg verurteilt und 1946 hingerichtet 1900–1946

Hans Frank war Generalgouverneur des Generalgouvernements im besetzten Polen. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Zentral- und Südpolen unter der Verwaltung des Generalgouvernements) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

AngriffskriegKriegsverbrechenVerbrechen gegen die MenschlichkeitShoahWeitere GenozideZwangsarbeit

Gesicherte Befunde

  • Hitler ernannte Frank am 26. Oktober 1939 zum Generalgouverneur und setzte ihn an die Spitze der Zivilverwaltung, die Zentralpolen aufgezwungen wurde.
  • Seine Verwaltung betrieb Terror, Nahrungsmittelentzug, Eigentums- und Kulturgutraub, Deportationen zur Zwangsarbeit sowie Angriffe auf polnische Eliten, einschließlich der AB-Aktion.
  • Franks umfangreiches Diensttagebuch dokumentiert sein Wissen über und seine Unterstützung für die Verfolgung und Ermordung der Jüdinnen und Juden, darunter seine Rede vor Funktionären am 16. Dezember 1941.

Stellung in der Verantwortungskette

Franks Verantwortung ergab sich aus Politik, Ressourcen und Verwaltung des Generalgouvernements. Konflikte mit SS- und Polizeiführern teilten Zuständigkeiten, hoben aber weder seine Handlungsmacht noch deren eigenständige Verantwortung auf.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Errichtung des Generalgouvernements und Franks Ernennung, Oktober 1939
  • Sonderaktion Krakau und AB-Aktion gegen polnische Eliten, 1939–1940
  • amtliche Rede, die die Vernichtung der Jüdinnen und Juden befürwortete, 16. Dezember 1941
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

US-Streitkräfte nahmen Frank im Mai 1945 fest. Sein eigenes Diensttagebuch wurde zu einem zentralen Beweismittel vor dem Internationalen Militärgerichtshof, der ihn wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilte; am 16. Oktober 1946 wurde er gehängt.

Grenzen der Quellenlage

Das Profil unterscheidet Franks zivil-administrative Befugnisse vom operativen Kommando der SS- und Polizeiformationen und schreibt ihm nicht jedes Verbrechen im Generalgouvernement als persönlichen Befehl zu.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.