Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Herbert Andorfer
Herbert Andorfer war Kommandant des Lagers Sajmište und Befehlshaber des Sonderkommandos Andorfer in Italien. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (besetztes Serbien und Norditalien) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Andorfer war Kommandant des Judenlagers Semlin in Sajmište, als die verbliebenen jüdischen Frauen und Kinder in einem Gaswagen getötet wurden.
- Das vollständige Urteil des Landgerichts Dortmund stellte seine regelmäßige Mitwirkung an diesem Mechanismus fest: Der Wagen kam ins Lager, und Andorfer fuhr rund drei Monate lang fast täglich hinter ihm zum Begräbnisort der Opfer in Jajinci. Aussagen Überlebender beschrieben außerdem seine Aufsicht über die Aktion.
- 1944 befehligte er in Italien das Sonderkommando Andorfer. Die Enzyklopädie der Universität Heidelberg verbindet die Einheit mit der öffentlichen Erhängung von 31 jungen Menschen in Bassano del Grappa.
- Im Januar 1969 verurteilte ihn das Gericht in Dortmund wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 5.500 Juden zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft; durch die Anrechnung der Untersuchungshaft musste er nach dem Urteil nicht in die Haft zurückkehren.
Stellung in der Verantwortungskette
Andorfer zeigt, wie das Amt des Lagerkommandanten die alltägliche Transportroutine mit der Tötungstechnik des Gaswagens und der Beseitigung der Leichen verband. Sein späteres Kommando über eine Sondereinheit in Italien erweitert das Profil um die Kontinuität seiner Repressionskarriere, doch beide Schauplätze bleiben in der Quellenbasis getrennt.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Übernahme der Kommandantur des Judenlagers Semlin in Sajmište 1941
- regelmäßige Fahrten hinter dem Gaswagen nach Jajinci 1942
- Tätigkeit des Sonderkommandos Andorfer und Hinrichtung in Bassano del Grappa 1944
- Urteil des Landgerichts Dortmund im Januar 1969
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Nach dem Krieg hielt Andorfer sich unter dem Namen Hans Mayer verborgen. 1967 wurde er festgenommen. Das Landgericht Dortmund verurteilte ihn im Januar 1969 wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 5.500 Häftlingen von Sajmište zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft; die gesamte Strafe war durch die angerechnete Untersuchungshaft verbüßt. Er starb 2003.
Grenzen der Quellenlage
Das Dortmunder Urteil betraf die Beteiligung am Mord an den Häftlingen von Sajmište, nicht die italienischen Verbrechen des Sonderkommandos Andorfer. Erhaltene Korrespondenz, gerichtliche Feststellungen und Aussagen Überlebender erlauben es, die regelmäßige Beteiligung des Kommandanten zu beschreiben, aber nicht jede einzelne Fahrt oder jeden Todesfall. Die Quellen nennen den 16. und den 30. Januar 1969; das Profil gibt den Monat an und entscheidet ohne Akten nicht, ob es sich um Urteils- beziehungsweise Verkündungsdatum handelt.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.