Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Wilhelm Keppler

zu zehn Jahren verurteilt; 1951 entlassen 1882–1960

Wilhelm Keppler war Staatssekretär und Wirtschaftsfunktionär, beteiligt an der Gründung der Deutschen Umsiedlungs-Treuhand und an der Organisation der Übernahme des Vermögens Vertriebener. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Deutschland · annektierte Gebiete · besetztes Osteuropa) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

VermögensbeschlagnahmeDeutsche Umsiedlungs-Treuhand (DUT)Vertreibungen

Gesicherte Befunde

  • Als Staatssekretär und Wirtschaftsfunktionär beteiligte er sich an der Gründung der Deutschen Umsiedlungs-Treuhand, die der finanziellen Abwicklung von Umsiedlungen und der Übernahme des Eigentums Vertriebener diente.
  • Eine Mitteilung Kepplers vom 3. November 1939 dokumentiert seinen persönlichen Anteil an der Organisation der DUT und ihrer Einordnung in die Kette der Umsiedlungs- und Vermögensinstitutionen der SS.
  • Das Material des Ministerien-Prozesses beschrieb die DUT als formal gesellschaftsrechtliches Unternehmen, tatsächlich jedoch als Instrument zur Verfügung über beschlagnahmtes Vermögen der Bewohner östlicher Gebiete zugunsten von Siedlern.
  • Im Ministerien-Prozess wurde er in den Anklagepunkten 1, 5, 6 und 8 schuldig gesprochen und zu zehn Jahren Haft verurteilt; im Februar 1951 kam er frei.

Stellung in der Verantwortungskette

Keppler zeigt, wie der Raub am Eigentum Vertriebener die Form einer Treuhandgesellschaft, von Buchführung und legalistisch gestaltetem Vermögensverkehr annahm. Das Profil stützt sich auf ein konkretes Organisationsdokument und Urteilsfeststellungen, nicht auf die bloße Nähe zur Staatsführung.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Beteiligung an der Organisation der Deutschen Umsiedlungs-Treuhand im Herbst 1939
  • Mitteilung vom 3. November 1939 zur Struktur der Treuhand
  • Tätigkeit der DUT am Vermögen Vertriebener aus annektierten und besetzten Gebieten
  • Urteil über zehn Jahre im Ministerien-Prozess und Entlassung im Februar 1951
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Im Ministerien-Prozess wurde er in den Anklagepunkten 1, 5, 6 und 8 schuldig gesprochen und zu zehn Jahren Haft verurteilt. Im Februar 1951 wurde er entlassen. Er starb 1960.

Grenzen der Quellenlage

Die DUT arbeitete mit dem weit verzweigten Apparat von HTO, RKFDV und SS zusammen. Das Profil darf Keppler nicht jede von diesen Institutionen vorgenommene Beschlagnahme zurechnen; seine individuelle Verantwortung soll an das Organisationsdokument, seine Funktion und die Urteilsfeststellungen gebunden werden.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.