Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Rudolf Höss
Rudolf Höss war Kommandant von Auschwitz und später stellvertretender Inspekteur der Konzentrationslager. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz im besetzten Polen) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Höss wurde im Mai 1940 erster Kommandant von Auschwitz und beaufsichtigte dessen Ausbau von einem Lager für polnische politische Gefangene zu einem großen Lager- und Tötungskomplex.
- Unter seinem Kommando führte Auschwitz-Birkenau Tötungen mit Zyklon B ein und entwickelte Gaskammern und Krematorien für den Massenmord.
- 1944 kehrte er zurück, um die Operation zu leiten, in deren Verlauf mehr als 400.000 ungarische Jüdinnen und Juden nach Auschwitz deportiert und die meisten von ihnen bald nach der Ankunft ermordet wurden.
Stellung in der Verantwortungskette
Höss übte unmittelbare Befehls- und Organisationsgewalt über den Lagerkomplex Auschwitz und dessen Tötungsprozess aus. Das Profil setzt sein Amt nicht mit jeder Einzelhandlung von Wachmannschaften, Ärzten, Transportbehörden oder Vorgesetzten im WVHA gleich.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Ernennung zum Kommandanten von Auschwitz, Mai 1940
- erste Versuchstötungen mit Zyklon B und Umwandlung Birkenaus in ein Tötungszentrum, 1941–1942
- Deportation und Ermordung ungarischer Jüdinnen und Juden während der Aktion Höss, 1944
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Die britische Militärpolizei nahm Höss im März 1946 fest. Nach seiner Aussage in Nürnberg wurde er an Polen ausgeliefert, vom Obersten Nationalen Tribunal verurteilt und am 16. April 1947 im ehemaligen Lager Auschwitz I gehängt.
Grenzen der Quellenlage
Das Profil folgt den belegten Zeiten von Höss' Kommando und seiner Rückkehr 1944; es behandelt nicht die gesamte Geschichte von Auschwitz oder alle Verbrechen des SS-Lagersystems als seine persönlichen Handlungen.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.