Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Alois Brunner
Alois Brunner war Eichmann-Mitarbeiter, der Deportationen organisierte und das Durchgangslager Drancy befehligte. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Österreich, Griechenland, Frankreich und die Slowakei) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Brunner arbeitete in der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien und wurde zu einem von Adolf Eichmanns mobilen Spezialisten für die Organisation von Deportationen.
- Er leitete oder überwachte Deportationsoperationen in Wien, Saloniki, Frankreich und der Slowakei und befehligte Drancy von Juni 1943 bis August 1944.
- Französische Gerichte verurteilten ihn 1954 in Abwesenheit zum Tode und 2001 zu lebenslanger Haft; keines der Urteile wurde vollstreckt.
Stellung in der Verantwortungskette
Brunners dokumentierte Verantwortung war operativ wie administrativ: Er wurde entsandt, um Deportationen zu beschleunigen, und kontrollierte Durchgangsorte sowie Transportabläufe. Das Profil rechnet ihm nicht die Arbeit aller örtlichen Polizei-, Eisenbahn- und Lagerangehörigen, die an diesen Deportationen beteiligt waren, als persönliche Handlung zu.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- die Deportation der jüdischen Gemeinde von Saloniki 1943
- der Betrieb von Drancy als Durchgangsort für Deportationen nach Auschwitz-Birkenau unter seinem Kommando
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Brunner floh 1954 unter dem Namen Georg Fischer über Ägypten nach Syrien. Wiederholte Auslieferungsbemühungen scheiterten; er starb in Damaskus, ohne eine der beiden französischen Strafen verbüßt zu haben.
Grenzen der Quellenlage
Das Todesjahr Brunners ist umstritten: Spätere Ermittlungen weisen auf Dezember 2001, andere Berichte datierten seinen Tod noch auf 2010. Die Zahlen zu Deportationen in den vier Ländern überschneiden sich mit der Verantwortung von Eichmanns Amt und örtlichen Durchführungsbehörden.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.