Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Peter Leideritz
Peter Leideritz war Leiter der Außenstelle der Sicherheitspolizei und des SD in Kołomyja. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Kołomyja · Horodenka · Szeparowce · Distrikt Galizien) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Eine aktuelle, auf polnischen und deutschen Akten beruhende IPN-Studie bestimmt Leideritz' Geburtsdatum auf den 5. Januar 1911 und bestätigt, dass er seit September 1941 die Außenstelle des KdS Lemberg in Kołomyja leitete.
- IPN-Forschungen und die Ghetto-Enzyklopädie von Yad Vashem schreiben der von ihm geleiteten Dienststelle die Organisation der Massenhinrichtung im Wald bei Szeparowce am 12. Oktober 1941 zu; eine aktuelle Studie stellt fest, dass die Aktion auf seinen Befehl durchgeführt wurde.
- Die Quellen dokumentieren Leideritz' Beteiligung an den Aktionen seiner Dienststelle in Horodenka im Dezember 1941 sowie an Selektionen und Deportationen von Jüdinnen und Juden aus dem Kreis Kołomyja nach Bełżec 1942. Nicht jede Tat der Mitglieder der mobilen Gruppe wird als seine persönliche Handlung dargestellt.
- Das Bezirksgericht Warschau sprach ihn am 17. November 1947 in beiden angeklagten Punkten schuldig – der Beteiligung an Massenmorden an der Zivilbevölkerung und der Mitgliedschaft in der Gestapo – und verurteilte ihn zum Tode; das Urteil wurde am 22. Februar 1949 vollstreckt.
Stellung in der Verantwortungskette
Leideritz zeigt, wie eine kleine Außenstelle des KdS polizeiliche Aufklärung, mobile Hinrichtungsgruppen, Ghettobetreuung und Deportationen in ein Vernichtungslager verbinden konnte. Das Profil stützt seine Verantwortung auf die Leitung der Dienststelle, konkrete Aktionen und das Urteil; Berichte über persönliche Schüsse bleiben auf das beschränkt, was in den Akten tatsächlich festgestellt wurde.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Übernahme der Leitung der Sipo- und SD-Außenstelle in Kołomyja im September 1941
- Massenhinrichtung bei Szeparowce am 12. Oktober 1941
- Aktion der Dienststelle in Horodenka am 4.–5. Dezember 1941
- Selektionen und Deportationen aus Kołomyja und Umgebung nach Bełżec 1942
- Prozess in Warschau am 17. November 1947 und Vollstreckung des Urteils am 22. Februar 1949
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Die Amerikaner nahmen ihn am 7. August 1946 unter dem Namen Peter Lewald fest und lieferten ihn im Dezember an Polen aus. Das Bezirksgericht Warschau verurteilte ihn am 17. November 1947 zum Tode; nach Zurückweisung der Rechtsmittel und Ablehnung der Begnadigung wurde das Urteil am 22. Februar 1949 vollstreckt.
Grenzen der Quellenlage
Das polnische Urteil umfasste weit formuliert die Beteiligung an Massenmorden und die Gestapomitgliedschaft; es entschied nicht gesondert über jede von Zeugen geschilderte Episode. Ältere Zusammenstellungen geben 1947 fälschlich als Todesjahr an – die vom IPN ausgewerteten Vollstreckungsakten bestätigen den 22. Februar 1949. Schätzungen der Opferzahlen einzelner Aktionen werden nicht zur Bestimmung des Verantwortungskreises herangezogen.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.