Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Fritz Sauckel

in Nürnberg verurteilt und 1946 hingerichtet 1894–1946

Fritz Sauckel war Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz und Gauleiter von Thüringen. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Deutsches Reich und Rekrutierungsgebiete im gesamten besetzten Europa) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

KriegsverbrechenVerbrechen gegen die MenschlichkeitZwangsarbeit

Gesicherte Befunde

  • Hitler ernannte Sauckel am 21. März 1942 zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz.
  • Sauckel auferlegte den Besatzungsverwaltungen Arbeitsquoten; die Rekrutierungskampagnen beruhten auf Razzien, Dorfüberfällen, Geiselnahmen und Deportation statt auf tatsächlich freiwilliger Beschäftigung.
  • Die durch seinen Apparat bereitgestellten Arbeitskräfte wurden unter diskriminierenden und zwangsförmigen Bedingungen Rüstungsbetrieben, Bergwerken, Landwirtschaft und Haushalten zugewiesen.

Stellung in der Verantwortungskette

Sauckel kontrollierte das Beschaffungs- und Zuweisungsglied der Zwangsarbeitskette. Arbeitgeber, Besatzungsbehörden und Polizeieinheiten blieben für Rekrutierungsgewalt und Misshandlung am Arbeitsplatz eigenständig verantwortlich.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • Ernennung zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz, 21. März 1942
  • aufeinanderfolgende Sauckel-Rekrutierungskampagnen im besetzten Europa, 1942–1944
  • Urteil des Internationalen Militärgerichtshofs, 1. Oktober 1946
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Der Internationale Militärgerichtshof wies Sauckels Behauptung zurück, er sei lediglich ein Arbeitsvermittler gewesen. Er verurteilte ihn wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode; am 16. Oktober 1946 wurde er gehängt.

Grenzen der Quellenlage

Das Profil schreibt Sauckel das von ihm geleitete System der Zwangsrekrutierung zu, nicht jeden Todesfall oder jede Misshandlung durch einen örtlichen Werber, Wachmann, Fabrikleiter oder eine Lagerbehörde.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.