Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Josef Mengele
Josef Mengele war SS-Arzt in Auschwitz-Birkenau, der Selektionen und verbrecherische Experimente durchführte. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Mengele studierte Medizin und Rassenanthropologie, trat der NSDAP und SS bei und kam nach einem Dienst in der Waffen-SS am 30. Mai 1943 nach Auschwitz.
- Als SS-Lagerarzt führte er Selektionen an der Bahnrampe und innerhalb Birkenaus durch und schickte Deportierte und kranke Gefangene entweder zur Zwangsarbeit oder in den Tod.
- Er nutzte inhaftierte Menschen, die nicht einwilligen konnten, für pseudomedizinische Experimente mit Verbindung zu Instituten für Rassen- und Erbforschung.
Stellung in der Verantwortungskette
Mengeles Verantwortung beruht auf seinen eigenen Selektionen und Experimenten innerhalb des SS-Lagersystems. Das Profil schreibt ihm weder jedes medizinische Verbrechen in Auschwitz noch jeden Tod nach Selektionen anderer Ärzte zu.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Versetzung nach Auschwitz, 30. Mai 1943
- Selektionen und Experimente in Auschwitz-Birkenau, 1943–1945
- Flucht aus Europa nach Argentinien, 1949
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Mengele wurde nach dem Krieg kurzzeitig festgehalten, jedoch nicht identifiziert, und floh anschließend nach Argentinien, Paraguay und Brasilien. Er starb am 7. Februar 1979 nach einem Schlaganfall beim Schwimmen nahe São Paulo; eine forensische Untersuchung 1985 und eine DNA-Analyse 1992 bestätigten die Identität seiner Überreste.
Grenzen der Quellenlage
Das Profil stützt sich auf die dokumentierte Rolle in Auschwitz und Überlebendenzeugnisse; es wiederholt keine unbestätigten Geschichten und schreibt Mengeles keine von anderen Lagerärzten durchgeführten Experimente zu.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.