Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Herbert Kappler
Herbert Kappler war Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD im besetzten Rom. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Italien) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Kappler leitete Sipo und SD in Rom. Institutionelle Quellen verbinden seinen Apparat mit der Erpressung von fünfzig Kilogramm Gold von der jüdischen Gemeinde sowie mit der Verfolgung und Deportation der römischen Juden.
- Nach dem Anschlag in der Via Rasella am 23. März 1944 wirkte Kappler an der Festlegung der Vergeltung mit und leitete die Zusammenstellung der Liste jener Gefangenen, die in den Fosse Ardeatine hingerichtet werden sollten.
- Am 24. März 1944 ermordeten die Deutschen in den Fosse Ardeatine 335 Menschen. Kappler war an der Organisation und Durchführung des Massakers beteiligt, für das er anschließend in Italien vor Gericht gestellt wurde.
- Im Juli 1948 verurteilte ein italienisches Militärgericht Kappler zu lebenslanger Haft und vier Jahren Einzelhaft. Im August 1977 floh er aus einem Militärkrankenhaus in die Bundesrepublik; 1978 starb er.
Stellung in der Verantwortungskette
Kappler verbindet zwei Dimensionen der Besatzungstätigkeit von Sipo und SD: gegen Juden gerichtete Erpressung, Festnahmen und Deportationen sowie eine polizeilich-militärische Vergeltungsexekution. Der Prozess erlaubt es, seine eigene Rolle in den Fosse Ardeatine von Entscheidungen zu unterscheiden, die auf höheren Ebenen der Befehlskette getroffen wurden.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- deutsche Besetzung Roms und Übernahme der Leitung von Sipo und SD durch Kappler 1943
- Erpressung von Gold und Deportation römischer Juden im Herbst 1943
- Massaker in den Fosse Ardeatine am 24. März 1944
- Urteil zu lebenslanger Haft im Juli 1948
- Flucht aus dem Militärkrankenhaus am 15. August 1977
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
1948 verurteilte ein italienisches Militärgericht Kappler wegen seiner Rolle beim Massaker in den Fosse Ardeatine zu lebenslanger Haft. Er verbüßte die Strafe in Italien und wurde später aus gesundheitlichen Gründen in ein Militärkrankenhaus verlegt. 1977 floh er in die Bundesrepublik, die ihn nicht erneut an Italien auslieferte; im folgenden Jahr starb er.
Grenzen der Quellenlage
Das italienische Urteil von 1948 individualisiert vor allem das Massaker in den Fosse Ardeatine; die historischen Feststellungen zu Raub und Deportation der Juden haben eine eigene Quellenbasis und dürfen nicht als Inhalt derselben Verurteilung dargestellt werden. Die Entscheidungskette der Vergeltung umfasste auch Albert Kesselring, Eberhard von Mackensen, Kurt Mälzer und weitere Akteure, weshalb das Profil Kappler nicht die alleinige Urheberschaft der Vergeltungspolitik zuschreibt.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.