Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Robert Ley

1945 vor Prozessbeginn in alliierter Haft durch Suizid gestorben 1890–1945

Robert Ley war Reichsleiter der NSDAP und Leiter der Deutschen Arbeitsfront. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Deutsches Reich und das Zwangsarbeitssystem, das Arbeitskräfte aus dem besetzten Europa heranzog) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

Verbrechen gegen die MenschlichkeitShoahZwangsarbeit

Gesicherte Befunde

  • Ley wurde Leiter der Deutschen Arbeitsfront, nachdem das NS-Regime im Mai 1933 die unabhängigen Gewerkschaften zerschlagen und deren Eigentum beschlagnahmt hatte.
  • Die DAF wurde zu einem zentralen Instrument, um die Arbeit für die deutsche Kriegswirtschaft zu kontrollieren und zu disziplinieren; Ley verteidigte öffentlich die Zwangsbehandlung ausländischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.
  • Vor dem Internationalen Militärgerichtshof wurde er unter anderem wegen Verschwörung, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt.

Stellung in der Verantwortungskette

Leys Verantwortung ergab sich aus der Leitung einer Organisation, die die parteiliche Kontrolle der Arbeit mit kriegswirtschaftlicher Ausbeutung verband, sowie aus seiner antisemitischen Propaganda. Daraus folgt nicht, dass er persönlich für jeden Missbrauch im gesamten Zwangsarbeitssystem verantwortlich war.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • die Zerschlagung der unabhängigen Gewerkschaften und die Gründung der Deutschen Arbeitsfront im Mai 1933
  • die kriegswirtschaftliche Ausbeutung deportierter Arbeitskräfte im von der DAF gestützten Arbeitsregime
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

US-Truppen nahmen Ley im Mai 1945 fest. Er wurde in Nürnberg angeklagt, erhängte sich jedoch in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 1945 in seiner Zelle, noch vor Beginn des Prozesses; ein Urteil erging daher nicht.

Grenzen der Quellenlage

Die zugrunde liegenden Quellen verweisen auf eine um einen Tag abweichende Datierung seines Todes, da dieser in der Nacht eintrat. Seine institutionelle Verantwortung für Zwangsarbeit ist von den Taten der Arbeitgeber, Ministerien, Polizeieinheiten und Lagerverwaltungen an anderer Stelle des Systems zu unterscheiden.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.