Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe

Wilhelm Stuckart

im Ministerienprozess verurteilt und nach Anrechnung der Haftzeit entlassen 1902–1953

Wilhelm Stuckart war Staatssekretär, Mitverfasser der Nürnberger Gesetze und Teilnehmer der Wannsee-Konferenz. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Deutsches Reich und der rassenrechtliche Apparat in annektierten und besetzten Gebieten) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.

Verbrechen gegen die MenschlichkeitShoah

Gesicherte Befunde

  • Stuckart war ab 1938 Staatssekretär im Reichsministerium des Innern und beaufsichtigte Staatsangehörigkeits-, Rassen- und Nationalitätenrecht.
  • Er wirkte an der Ausarbeitung der Nürnberger Gesetze und ihres amtlichen Kommentars mit und vertrat das Ministerium auf der Wannsee-Konferenz.
  • Im Ministerienprozess wurde er unter anderem wegen Mitgliedschaft in der verbrecherischen SS verurteilt, nicht jedoch wegen der schwereren Anklagepunkte zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Stellung in der Verantwortungskette

Stuckarts zentrale Handlungsform lag in der Schaffung und Verwaltung der Rechtsinfrastruktur für Ausschluss, Enteignung und Deportation. Diese Funktion machte Verfolgung in vielen Dienststellen durchsetzbar, unterschied sich aber vom unmittelbaren Befehl über Verhaftungen und Tötungen vor Ort.

Zentrale Ereignisse und Mechanismen

  • die Ausarbeitung der Nürnberger Rassengesetze 1935 und ihres amtlichen Kommentars
  • die Wannsee-Konferenz, auf der er die Behandlung der als „Mischlinge“ klassifizierten Menschen erörterte
Keine Rangliste nach Opferzahlen

Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.

Aufarbeitung nach 1945

Ein amerikanisches Tribunal verurteilte Stuckart im April 1949; die Strafe wurde jedoch fast vollständig durch Untersuchungshaft angerechnet, sodass er bald entlassen wurde. Er starb 1953 bei einem Verkehrsunfall nahe Hannover.

Grenzen der Quellenlage

Quellen beschreiben das genaue Strafmaß unterschiedlich, da es faktisch als durch die Haftzeit verbüßt galt. Das Profil unterscheidet rechtliche und institutionelle Verantwortung von einem Nachweis unmittelbarer Beteiligung an einzelnen Deportationen oder Morden.

Quellen

Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.