Deutschsprachige quellengebundene Ausgabe
Ernst Biberstein
Ernst Biberstein war Kommandeur des Einsatzkommandos 6 in der besetzten Ukraine. Das Profil rekonstruiert Funktion und Handlungsspielraum im dokumentierten Tätigkeitsgebiet (Ostukraine und Raum Rostow) anhand des Amtes, von Entscheidungen, Aufsicht oder operativem Handeln. Es schreibt nicht sämtliche Verbrechen einer Institution oder Region einer einzelnen Person zu.
Gesicherte Befunde
- Biberstein war ordinierter evangelischer Pfarrer, bevor er die kirchliche Tätigkeit zugunsten von SS, SD und Gestapo aufgab.
- 1942 kommandierte er das Einsatzkommando 6 in der Ostukraine und im Raum Rostow, wo die Einheit Erschießungen und Tötungen mit Gaswagen verübte.
- Er räumte ein, bei der Hinrichtung von ungefähr 50 bis 60 Menschen nahe Rostow anwesend gewesen zu sein.
Stellung in der Verantwortungskette
Bibersteins Kommando und seine Anwesenheit bei Hinrichtungen belegen sowohl organisatorische als auch unmittelbare Dimensionen der Verantwortung. Nachgewiesene Zahlen für seine Einheit müssen von der wesentlich größeren Gesamtsumme der Einsatzgruppe C über alle Kommandeure und Zeiträume getrennt bleiben.
Zentrale Ereignisse und Mechanismen
- Massenerschießungen und Tötungen mit Gaswagen durch das Einsatzkommando 6 in der Ostukraine und um Rostow
- die Hinrichtung von ungefähr 50 bis 60 Menschen nahe Rostow, die Biberstein persönlich beaufsichtigte oder beobachtete
Der Kreis beschreibt Macht, Funktion und Handlungsmacht. Mehrere Profile können verschiedene Teile derselben Verfolgungskette erfassen; Opferzahlen auf Profilebene dürfen daher nicht addiert werden.
Aufarbeitung nach 1945
Der Einsatzgruppen-Prozess verurteilte Biberstein im April 1948 zum Tode. 1951 wurde die Strafe in lebenslange Haft umgewandelt und später reduziert; 1958 kam er aus dem Gefängnis Landsberg frei und starb 1986 in Neumünster.
Grenzen der Quellenlage
Quellen datieren den Beginn seines Kommandos entweder auf Juni oder September 1942. Prozessunterlagen schrieben dem Einsatzkommando 6 für den maßgeblichen Zeitraum ungefähr 2.000–3.000 Tötungen zu; höhere Zahlen betreffen die gesamte Geschichte der Einheit oder der Einsatzgruppe C.
Quellen
Die Quellengrundlage verbindet institutionelles, archivalisches, prozessbezogenes oder wissenschaftliches Material von mindestens zwei unabhängigen Herausgebern.